19.10.2009 Stiftung unterstützt psychisch Kranke


Das Diakonische Werk Bergstraße kann mit Hilfe einer Stiftung drei Modellprojekte für psychisch kranke Menschen betreiben. Das Projekt „Betreutes Wohnen für Familien“, die von psychischer Erkrankung betroffen sind, hat dabei Pilotcharakter und gilt hessenweit als einmalig.

Seit 2002 kooperiert das Diakonische Werk Bergstraße mit der DESTAG-Stiftung, deren Schwerpunkt die Unterstützung psychisch Kranker ist.  Für das Projekt „Betreutes Wohnen für Familien“ wurden eigens zwei Häuser in Rimbach im Odenwald gebaut, in denen zur Zeit vier Familien mit jeweils einem psychisch kranken Elternteil leben – meist handelt es sich um allein stehende Frauen und ihre Kinder. Hinzu kommen sechs Einzelpersonen, die in einer Hausgemeinschaft zusammenleben. Sie führen weitgehend ein eigenständiges Leben, werden vom Diakonischen Werk aber sozialpädagogisch betreut.

Für den Bau der Häuser hatte die DESTAG-Stiftung 400.000 Euro zur Verfügung gestellt. Ohne diese Anschubfinanzierung wäre das Projekt nicht zu Stande gekommen, betont Ursula Thiels vom Diakonischen Werk Bergstraße. Nach ihrer Überzeugung war die moralische Unterstützung nicht minder wichtig. „Es gab vor Ort Bedenken gegen das betreute Wohnen von psychisch Kranken. Bei unserer Überzeugungsarbeit  hat es uns genutzt, dass eine Stiftung hinter dem Projekt steht“, so Ursula Thiels. Nach ihren Angaben besteht eine große Nachfrage nach betreutem Wohnen für psychisch Kranke. „Wir könnten viel mehr Wohnungen vermieten als wir haben“. Andere Diakonische Werke in Hessen hätten sich bereits nach dem Konzept erkundigt.

Mit weiteren 36.000 Euro übernahm die DESTAG-Stiftung die Anschubfinanzierung für das Projekt „Leben in Gastfamilien“. Psychisch Kranke, die bislang in Heimen untergebracht sind, sollen in Familien leben und damit ein Stück Normalität erfahren. 16 Familien haben sich dazu bislang bereit erklärt. Zwei psychisch Kranke wurden bislang vermittelt. Nur in  wenigen hessischen Landkreisen gibt es Gastfamilien für psychisch kranke Menschen.

„Die DESTAG-Stiftung hat eine kolossale Brückenfunktion“, meint der Leiter des Diakonischen Werkes Bergstraße, Hendrik Raekow. Psychische Krankheiten würden immer noch tabuisiert. Es sei deshalb äußerst schwierig Spenden für Projekte zugunsten psychisch Kranker zu bekommen. Durch die laufenden Projekte sei aber bereits ein Bewusstseinswandel in Gang gekommen „Da ist Bewegung drin. In den letzten Jahren sind wir ein Riesenschritt vorangekommen“, meint Hendrik Raekow.

Dazu beigetragen hat auch das von der DESTAG-Stiftung finanzierte Projekt „Verrückt! Na und?“ Rund 20 Schulen haben daran bereits teilgenommen. Zwei Referenten - das sind  ein Mitarbeiter des Diakonischen Werks und ein psychisch Kranker - besuchen jeweils 9. Klassen und reden dort über psychische Erkrankungen, wobei die Schülerinnen und Schüler zunächst nicht wissen, wer der Sozialpädagoge und wer der psychisch Kranke ist. Dadurch würden nicht nur nachweislich Vorurteile abgebaut, meint Ursula Thieles. Die Jugendlichen würden auch ermutigt, sich bei eigenen Problemen an eine Beratungsstelle zu wenden.

Das Schulprojekt  zeigt, dass man auch mit kleineren Beträgen eine enorme Wirkung erzielen kann“, sagt Ingrid Buchmann von der DESTAG-Stiftung. Ihr Vater, der im vergangenen September verstorbene Unternehmen Eckart Fromme, hatte die Stiftung im Jahr 2001 gegründet. Nach Angaben der Tochter wollte er sich sozial engagieren und mit der Stiftung der Gesellschaft etwas zurückgeben. Der Name der Stiftung ist das Kürzel für Deutsche Steinindustrie AG in Reichenbach (Kreis Bergstraße), mit der es organisatorisch und geschäftlich aber keine Verbindungen mehr gibt.

 

 

Das Foto zeigt von links nach rechts: Ursula Thiels (DW Bergstr.), Ingrid Buchmann (DESTAG-Stiftung), Hendrik Raekow (DW Bergstr.)

 

Text u. Foto: bet