24.09.2009 Besuchsseelsorge: "Etwas Schönes in den Alltag bringen"


Das Evangelische Dekanat Bergstraße bildet ehrenamtliche Besuchsseelsorgerinnen aus. Sie werden bis  April nächsten Jahres an 14 Abenden, zwei ganzen Tagen und einem Wochenende für ihren Dienst in Altenheimen und Krankenhäusern geschult. Wir haben nachgefragt: Warum stellen Menschen freie Zeit für andere, ihnen Unbekannte zur Verfügung?

„Ich möchte alten und gebrechlichen Menschen etwas Schönes in ihren Alltag bringen“, sagt Petra Koch. Der 46jährigen aus Lorsch fällt es nach eigenen Angaben leicht auf andere zuzugehen, „ganz gleich, ob ich sie kenne oder nicht“. Etwa zehn Stunden im Monat möchte sie als Besuchsseelsorgerin tätig werden.

Ähnlich viel Zeit will dafür Roswitha Schäfer aus Hähnlein aufwenden. Sie sagt von sich, sie sei ein optimistischer Mensch, obwohl sie selbst an Krebs erkrankt ist. „Mit meinem Optimismus bin ich bei der Besuchsseelsorge im Krankenhaus bestimmt gut aufgehoben. Ich möchte anderen eine Stütze sein“, betont die 58jährige. Sie ist als Selbständige im Außendienst tätig, hat ständig mit fremden Menschen zu tun und damit keine Probleme, sich auf andere einzulassen.

Auch Andrea Rau ist schon von Berufs wegen ein kommunikativer Typ. Sie ist Eheberaterin und weiß, wie wichtig es ist, gut zuhören zu können. Als Besuchsseelsorgerin möchte sie ehrenamtlich im Krankenhaus tätig werden. „Ich habe das Gefühl, dass bei der medizinischen Behandlung die Sorge um die Seele zu kurz kommt“. Ein kranker Mensch befinde sich oft auch seelisch in einer Krisensituation. Da sei es wichtig, dass ihm jemand beistehe, so die 50jährige aus Zwingenberg.

Alle drei bringen für die Besuchsseelsorge gute Voraussetzungen mit, meint die Pfarrerin für Alten-Kranken-und Hospizseelsorge, Barbara Tarnow. Sie leitet den Ausbildungskurs gemeinsam mit der in den Krankenhäusern von Jugenheim und Bensheim arbeitenden Klinikseelsorgerin Karin Herrmann-Brandenburg. Während der Ausbildung werden die Teilnehmerinnen in Kommunikation und Gesprächsführung geschult, sie setzen sich mit Krankheitsbildern auseinander und lernen helfende Rituale kennen. Auch der Rückblick auf die eigene Biographie spielt eine Rolle. „Denn unsere eigenen Erfahrungen sind prägend dafür, wie wir auf andere Menschen zugehen“, erläutert Barbara Tarnow. „Offenheit und Toleranz sind ebenso wichtig wie die eigene psychische Stabilität“. Deshalb kann nicht  jeder, der möchte, in der Besuchsseelsorge tätig werden. In früheren Kursen war es vorgekommen, dass die Pfarrerin die Ausbildung einzelner Teilnehmer abgebrochen hatte, etwa weil sich herausstellte, dass sie selbst unverarbeitete, seelische Belastungen mit sich schleppten.

In dem gerade begonnenen Kurs wollen sich insgesamt sieben Personen für die Besuchsseelsorge ausbilden lassen. Es sind ausschließlich Frauen. Was ist mit den Männern los? „Ich hatte bereits zwei Kurse geleitet,  in denen jeweils ein einzelner Mann dabei war“, berichtet Pfarrerin Tarnow. „Die Erfahrung zeigt, dass es eher Frauen sind, die es wagen, andere seelsorgerlich zu begleiten.“

 

Weitere Informationen über die Besuchsseelsorge bei
Pfarrerin Barbara Tarnow
Tel. 06252 / 6733-54
E-Mail: tarnow@haus-der-kirche.de

 

Das Foto zeigt von links n. rechts: Andrea Rau (Zwingenberg), Roswitha Schäfer (Hähnlein), Pfarrerin Barbara Tarnow und Petra Koch (Lorsch)
Text u. Foto: bet