29.08.2009 Christen wollen´s wissen! Thema "Energieversorgung" - Fragen zur Bundestagswahl (WK Da-Di)


Noch 29 Tage bis zur Bundestagswahl. Im Gebiet des Evangelischen Dekanats Bergstraße gibt es zwei Wahlkreise. Wir haben Politikerinnen und Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien befragt. Den Anfang machen die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten des Wahlkreises 186 (Darmstadt-Dieburg).  Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises 188 (Bergstraße) werden folgen.

Unsere Frage:
Die Restlaufzeiten von Atomkraftwerken sind umstritten. Sollten die Blöcke Biblis A und Biblis B länger am Netz bleiben als vereinbart? Welche Energieträger favorisieren Sie für die Zukunft?

 

 


Andreas Storm (CDU):
In der kommenden Wahlperiode sollten keine neuen Kernkraftwerke errichtet werden. Eine Verlängerung der Restlaufzeiten im Einzelfall kommt für mich nur dann in Frage, wenn dieses in Hinblick auf die relevanten Sicherheitsaspekte verantwortet werden kann. Wenn es in einzelnen Fällen zu einer Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken kommt, dann sollten die sich daraus ergebenden finanziellen Spielräume gezielt für die Entwicklung von regenerativen Energien genutzt werden.

 


 


Brigitte Zypries (SPD):
Biblis A und B stellen Sicherheitsrisiken für die Menschen dar. Sie sind technisch veraltet, zudem ist eine langfristige Endlagerung von radioaktivem Material nicht möglich. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, es bei den aktuell vereinbarten Restlaufzeiten zu belassen und diese nicht zu verlängern. Dafür steht die SPD. Für eine nachhaltige ökologische Wirtschaft ist langfristig ein Umstieg auf erneuerbare Energien notwendig. Im Jahr 2020 sollen mindestens 35 Prozent, im Jahr 2030 mindestens 50 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommen. Den Anteil der Wärme aus erneuerbaren Energien will die SPD auf mindestens 20 Prozent erhöhen. Die wichtigste Energie im Energiemix der Zukunft ist aber diejenige, die nicht verbraucht wird. Deshalb brauchen wir eine Energiesparoffensive!
Atomenergie ist in keiner Hinsicht sinnvoll. Sie stellt ein Sicherheitsrisiko dar, auch nimmt sie den Druck auf die Energiekonzerne, in die Forschung und Produktion von erneuerbarer Energie zu investieren.

 

 

Daniela Wagner (Bündnis 90/ Die Grünen)
Wir GRÜNE favorisieren regenerative Energieträger für die Zukunft, weil sie alternativlos sind: Fossile Energieträger sind nur noch wenige Jahrzehnte verfügbar und die Atomenergienutzung ist sowohl was die Risiken aus dem Betrieb angeht, als auch wegen der nach wie vor ungelösten Entsorgungs- und Endlagerproblematik radioaktiver Abfälle absolut unverantwortbar. Deshalb: Der geplante und von rot-grün eingeleitete Atomausstieg muss umgesetzt werden. Wir werden uns dafür einsetzen, dass dies – wenn möglich – schneller geschieht als geplant. Grundsätzlich gilt: Kein AKW darf länger am Netz bleiben, als im Atomausstiegsgesetz formuliert. Jeder Reaktor der vom Netz geht ist ein Zugewinn an Lebensqualität und Sicherheit!. Die Antwort auf die Klima- und Energieprobleme lautet: Wir brauchen neue grüne Energie. Das von uns in der rotgrünen Regierungszeit durchgesetzte Erneuerbare Energien-Gesetz zeigt, dass das funktioniert. Es ist ein weltweit beachtetes Erfolgskonzept, wie sich auch regional zeigt: Unser kommunaler Energieversorger HSE ist der zweitgrößte Ökostromanbieter in Deutschland und investiert dreistellige Millionenbeträge in regenerative Energiegewinnung. Dies trägt auch zur Wertschöpfung in der Region bei und schafft neue Arbeitsplätze. Gleiches gilt für Investitionen in die energetische Sanierung von Wohngebäuden. Sie sparen Ressourcen und schaffen Zukunftsperspektiven für das heimische Handwerk.


Christoph Hentzen (FDP):
Deutschland als Industriestandort benötigt eine wirtschaftliche und stabile Energieversorgung. Dabei ist auch darauf zu achten, dass keine allzu starke politische Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen entsteht. Insbesondere der Einsatz von Erdgas hat sich in den letzten beiden Wintern als ausgesprochen unsicher erwiesen. Daneben ist darauf zu achten, dass die Energieversorgung   möglichst kein CO² emittiert und zu allen Tages- und Nachtzeiten, unabhängig vom Wetter zur Verfügung steht. Diese Bedingungen erfüllt derzeit nur die Kernenergie. Deshalb kann bis zu einer zufriedenstellenden Lösung dieser essentiellen Fragen in unserer Gesellschaft nicht auf die Kernenergie verzichtet werden.  Da ich nicht erkennen kann, dass diese Fragen während der Restlaufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke zufriedenstellend großtechnisch gelöst werden wird,  wird es notwendig werden  die Blöcke Biblis A und B länger am Netz zu lassen. Langfristig muss es das Ziel sein durch einen effizienteren Einsatz der Energie als bisher den Verbrauch deutlich zu reduzieren. Eine Versorgung mit regenerativen Energien für den Restenergieverbrauch ist anzustreben.  Dabei ist darauf zu achten, dass die Energiepreise weiterhin international wettbewerbsfähig bleiben, damit wir auch zukünftig am internationalen Güteraustausch teilnehmen können.


Walter Busch-Hübenbecker (Die Linke):
Sie sind wie vereinbart abzuschalten. Ich favorisiere  regenerative Energieträger.