28.08.2009 Christen wollen´s wissen! Thema "Wirtschaft und Umweltschutz" - Fragen zur Bundestagswahl (WK Da-Di)


Noch 30 Tage bis zur Bundestagswahl. Im Gebiet des Evangelischen Dekanats Bergstraße gibt es zwei Wahlkreise. Wir haben Politikerinnen und Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien befragt. Den Anfang machen die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten des Wahlkreises 186 (Darmstadt-Dieburg) heute mit dem Thema "Wirtschaft und Umweltschutz".  Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises 188 (Bergstraße) werden folgen.

Unsere Frage:
In der aktuellen Krise sind Stimmen laut geworden, die der Ökonomie Vorrang vor der Ökologie einräumen. Welche Prioritäten setzen Sie?

 

 



Andreas Storm (CDU):
Ich hielte es f ür fatal, wenn wir eine Priorisierung zwischen Ökonomie und Ökologie vornehmen wollten. Vielmehr muss es darum gehen, die künftige, wirtschaftliche Entwicklung durch Nachhaltigkeit zu prägen. In diesem Sinne wird künftiges Wirtschaftswachstum vor allem aus ökologisch orientierten Ansätzen resultieren. Ein konkretes Beispiel hierfür: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert auf breiter Front die Entwicklung der Elektromobilität.So wird auch ein großes Unternehmen in Darmstadt, das an der Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie beteiligt ist, in diesem Zusammenhang gefördert. Unser Ziel muss es sein, dass Deutschland im nächsten Jahrzehnt im Bereich der Elektromobilität zu einer weltweit führenden Volkswirtschaft wird.

 


 


Brigitte Zypries (SPD):
Eine stabile und leistungsfähige Wirtschaft ist Voraussetzung für Wohlstand aller Menschen. Es wäre jedoch ein Trugschluss, deshalb der Ökonomie einen Vorrang einzuräumen. Eine Wirtschafts- und Industriepolitik, die die mittel- und langfristigen ökologischen Folgen von Produktion ausblendet, wäre nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch fatal. Ökonomie und Ökologie sind für uns deshalb kein Gegensatz. Wir haben in der Vergangenheit wesentliche Erfolge im Bereich des Klimaschutzes erreicht. 835.000 Wohnungen wurden energieeffizient saniert, das spart jährlich 2,4 Mio. Tonnen CO(2). Das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde novelliert und inzwischen von 40 anderen Staaten ähnlich übernommen. Klimaschutz macht sich auch ökonomisch bezahlt. Schon jetzt sind Unternehmen in Deutschland Weltmarktführer in Erneuerbare-Energie-Technologien. Wichtig ist, dass wir weiterhin in Forschung und Produktion bei erneuerbaren Energien investieren. Das schützt die Umwelt und schafft langfristig viele Arbeitsplätze, sodass auch die Wirtschaft massiv profitiert. Deshalb ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch neue Energien auch einer der Kernbestandteile des Deutschlandplans von Frank-Walter Steinmeier.

 

Daniela Wagner (Bündnis 90/ Die Grünen)
Das gegeneinander Ausspielen von Ökonomie und Ökologie ist einer der größten und folgenschwersten Irrtümer des 20. Jahrhunderts gewesen, der sich bis in die Gegenwart hin zieht und nach wie vor Fehlentscheidungen erzeugt. Und es hat sich gezeigt, dass das Ausblenden ökologischer Belange im Interesse von Arbeitplätzen letztere eben nicht dauerhaft sichert. Wir GRÜNEN setzen auf wirtschaftlichen Erfolg und das Entstehen neuer Arbeitsplätze durch Grüne Technologien. In kaum einem Wirtschaftsbereich werden aktuell in solchem Ausmaß schwarze Zahlen geschrieben, wie der Branche der regenerativen Energieerzeugung. In der Automobilindustrie haben diejenigen die Nase vorn, die frühzeitig auf Emissionsminderung gesetzt haben. Das waren leider nicht unbedingt deutsche Hersteller. All das spricht dafür, dass man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann und dass der Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökologisch-verantwortbarem Wirtschaften ein konstruierter ist, dem heute jede reale Grundlage fehlt. Deshalb: Ökonomie und Ökologie sind zwei Seiten derselben Medaille! Dafür schlagen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag vor, den GRÜNEN NEW DEAL. Ich bin fest davon überzeugt: Ökonomische und ökologische Perspektiven, neue Arbeit, Antworten auf den Klimawandel und neue gesellschaftliche Solidarität können nur gemeinsam entwickelt werden.


Christoph Hentzen (FDP):
Es gibt aus meiner Sicht keinen Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie.  Jedes Unternehmen hat ein Interesse an einer nachhaltig günstigen Kostenposition und setzt daher ökonomisch sinnvolle ökologische Maßnahmen um. Zudem müssen Unternehmen gesund sein, weil sie nur dann die Mittel zur Verfügung haben, die notwendig sind um ökologisch wünschenswerte Investitionen tätigen zu können. Ein Blick über die Grenzen Deutschlands oder die Erinnerung an die ehemalige DDR zeigen, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Ländern und Unternehmen der Umweltschutz automatisch an Stellenwert gewinnt.

 

 

 


Walter Busch-Hübenbecker ( Die Linke):
Ohne die Ökologie dient die Ökonomie  nicht dem Menschen. Die Ökonomie hat dem Menschen zu dienen.