02.12.2009 " Kleiner Klimagipfel" in Heppenheim


Vor dem Welt-Klimagipfel ab dem 7. Dezember in Kopenhagen hat das Evangelische Dekanat Bergstraße einen „Kleinen Klimagipfel“ veranstaltet. Die Botschaft: Klimaschutz ist machbar und eine andere Mobilität ist möglich.

Die neun Gipfelteilnehmer/innen kommen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen der evangelischen Kirche. Eines aber ist ihnen gemeinsam: sie lassen das Auto links liegen und fahren konsequent – bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter – mit dem Rad zur Arbeit. So kamen sie auch bei Schmuddelwetter und Dauerregen zum Heppenheimer „Gipfel“.

Stefanie Becker hat von allen den längsten Weg. Sie arbeitet in Heppenheim in der Dekanatsverwaltung und wohnt in Alsbach. Täglich fährt sie mit dem Rad - 14 Kilometer hin und 14 zurück. „Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich gar nicht mehr auf den Gedanken komme, ins Auto zu steigen, “ sagt die 53jährige. Das sieht ihre Kollegin Annette Siegel (48) ganz ähnlich: „Weil ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, konnte meine Familie ein Auto abschaffen. Ich habe es von meinem Wohnort Hemsbach mit sieben Kilometer einfache Fahrt aber auch nur halb so weit. Doch bei Regen und Gegenwind wie heute sind es gefühlte siebzig!“

Auch für zwei Pfarrer ist das Fahrrad das Hauptverkehrsmittel. Burkard Hotz ist Gemeindepfarrer in Rimbach und fährt grundsätzlich mit dem Rad – durchschnittlich zehn Kilometer am Tag. „Es ist das optimale Verkehrsmittel. Als Radfahrer bin ich sichtbar in meiner Gemeinde unterwegs, muss aber nicht anhalten“, meint er augenzwinkernd.  Das gilt auch für Dominik Kanka. Den Gemeindepfarrer der Heppenheimer Christus-Kirche sehen zumindest die Menschen, die nicht regelmäßig in die Kirche gehen, meist mit einem Schutzhelm auf dem Kopf. „Was Autos anrichten können, habe ich erst neulich gesehen, als ich als Notfallseelsorger zu einem Unfall gerufen wurde“.  Beide Pfarrer nutzen das Rad übrigens nicht, wenn sie zu Beerdigungen fahren.

Dekanatsjugendreferent Bruno Ehret ist leidenschaftlicher Radfahrer und kaum aus dem Sattel zu holen. Er fährt nicht nur die acht Kilometer von seinem Wohnort Lampertheim-Hüttenfeld zum Haus der Kirche in Heppenheim. Das Rad nutzt der 52jährige auch, wenn er Termine im Odenwald hat.  „Natürlich kommt man bei diesen Touren ins Schwitzen. Aber das ist kein Problem. Ich habe aber immer Umziehklamotten dabei“. Bei Bergtouren will Heidrun Staab gar nicht erst mithalten, die Dekanatssekretärin fährt aber wacker mit dem Rad von ihrem Wohnort Bensheim nach Heppenheim – immerhin zwölf Kilometer hin und zurück. „Ich weiß, dass ich damit nicht das Klima rette. Aber es ist wie mit dem Stein, der ins Wasser fällt. Vielleicht zieht auch das Radfahren Kreise“, meint die 52jährige. Ständig mit dem Rad unterwegs ist auch Konja Voll. Gut, dass der Dekanats-Kirchenmusiker sein Hauptinstrument, die Orgel, nicht transportieren muss. „Etwa 50 Kilometer pro Woche bin ich mit dem Rad dienstlich unterwegs. Dadurch kommen wir als Familie ebenfalls mit einem Auto aus“.    

Thomas Bierbaum, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bergstraße rechnete vor, was die Rad fahrenden Kirchenmitarbeiter/innen an klimaschädlichen Kohlendioxid einsparen. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sind es rund 4500 Kilo Co2. Den Spitzenwert erzielt dabei Stefanie Becker mit 1109 Kilo pro Jahr.

Auch wenn sie nicht mit dem Rad zur Arbeit fährt, tut Barbara Köderitz – im Dekanat Bergstraße ist sie Referentin für gesellschaftliche Verantwortung – etwas fürs Klima und die Bewahrung der Schöpfung. Sie hat das Auto abgeschafft und fährt mit der Bahn von Darmstadt zur Arbeit nach Heppenheim. Wenn es nicht anders geht, nutzt die 48jährige Car-Sharing. Sie meint:  „Autos beschränken meine Lebensqualität – selbst wenn sie nur die Straßen zuparken und nicht fahren und stinken“.

 

Text u. Foto: bet