22.01.2009 Vom Gemeindepfarramt in die Klinikseelsorge


Sie hat das Gemeindepfarramt mit der Klinikseelsorge getauscht. Seit Anfang Januar arbeitet Steffi Beckmann als Pfarrerin im Kreiskrankenhaus Bergstraße. Am kommenden Sonntag verabschiedet sie sich mit einem Gottesdienst von ihrer Gemeinde in Zwingenberg; am darauffolgenden Montag wird sie in Heppenheim als neue Klinikseelsorgerin begrüßt. Doch schon vor dem offiziellen Start ist  sie in ihrer neuen Tätigkeit gefragt und gefordert - wie ein Besuch im Krankenhaus zeigt.

Zum verabredeten Termin kommt Pfarrerin Beckmann etwas verspätet. Sie hatte vorher schon angekündigt, dass sie auf Station unterwegs sei und nicht auf die Minute sagen könne, wann sie dort fertig sei. „Wenn mich ein Patient anspricht, dann nehme ich mir Zeit“, sagt die 41jährige. „Sich auf den Patienten einlassen, zuhören können und ein Gespür entwickeln, wann reden und wann schweigen erforderlich ist, das sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Klinik-Seelsorge.“

Steffi Beckmann weiß, dass die Seelsorge im Krankenhaus bei einer durchschnittlichen Verweildauer der Patienten von nur wenigen Tagen nicht mit der Seelsorge in der Gemeinde vergleichbar ist. „Ich führe auch Gespräche mit Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. Das gehört dazu und auch das ist wichtig“, betont die Pfarrerin. Ihr sei auch bewusst,  dass sie manche Patienten nicht wieder sehen werde. „Ein einmaliger Kontakt kann dennoch sehr bedeutend und sehr nachhaltig sein.“

Mit der Klinikseelsorge ist die Pfarrerin seit langem vertraut.  Schon während ihres Theologiestudiums bei einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Schottland lernte sie die Seelsorgearbeit in einem Hospiz und einer großen Klinik in Edinburgh kennen. Nach ihrem Vikariat erwarb sie eine Zusatzqualifikation als Hospiz-Helferin und absolvierte eine halbjährige Ausbildung in Klinischer Seelsorge. „Seelsorge liegt mir. Das war neben Konfirmanden- Kinder-, und Jugendarbeit auch ein Schwerpunkt in der Kirchengemeinde Zwingenberg“, berichtet Steffi Beckmann. Worin sich die Klinik-Seelsorge von der Gemeinde noch unterscheidet, ist mitunter die Kleidung. Bei ihren Besuchen auf der Isolierstation trägt die Pfarrerin wie die übrigen Klinik-Mitarbeiter Handschuhe, Kittel und Schutzkleidung.
Die Stelle als Seelsorgerin im Kreiskrankenhaus Bergstraße teilt sich die Mutter von zwei Kindern (4 und 6 Jahre) mit Pfarrerin Silke Bienhaus. Steffi Beckmann will gerade erzählen, dass die Zusammenarbeit vertrauensvoll angelaufen ist, als ihr Mobiltelefon klingelt. Ein Notruf. Steffi Beckmann muss das Gespräch abbrechen. Sie wird als Notfall-Seelsorgerin benötigt und zu einem Einsatz nach Viernheim gerufen.

Am Sonntag, den 25. Januar, um 10.00 Uhr wird Steffi Beckmann in Zwingenberg verabschiedet. Neben der Pfarrerin werden Dekanin Ulrike Scherf und Pfarrer Bernhard Dienst den Gottesdienst gestalten. Die Gemeinde lädt im Anschluss zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein. Am Montag dann wird Steffi Beckmann im Kreiskrankenhaus in einem Gottesdienst um 15.00 Uhr willkommen geheißen. Auch danach gibt es einen kleinen Empfang mit Zeit für Gespräche. Es sei denn, die Pfarrerin wird wieder ganz dringend auf Station gebraucht.

Text und Foto: bet