19.01.2009 "Pfarrerin ist mein Traumberuf "


Sie ist Pfarrerin mit Leib und Seele. Doch in ihrer Heimatkirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland, ist ihr der Weg ins Pfarramt versperrt. Seit August 2007 arbeitet Nicole Dresbach deshalb als Religionslehrerin in Viernheim. Im Evangelischen Dekanat Bergstraße ist sie inzwischen zur Pfarrerin im Ehrenamt ernannt worden.

Nicole Dresbach gehört nicht zu den Menschen, die lauthals über ihre Lage klagen und jammern. Sie hat sich mit der Situation arrangiert. “Pfarrerin ist mein Traumberuf, Schule ist aber auch schön“, sagt die 36jährige, die ordiniert und damit eine „vollwertige“ Pfarrerin ist. Ab und an hat sie an der Viernheimer Albertus-Magnus-Schule richtige Erfolgserlebnisse. So nahm sie prompt das Angebot an, in dem katholischen, von der Erzdiözese Mainz getragenen Gymnasium nun auch einen Gottesdienst zum evangelischen Reformationstag zu feiern. Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern mache ihr Spaß. Neben den Schulgottesdiensten hält sie regelmäßig Gottesdienste in der Viernheimer Auferstehungsgemeinde, in der sie auch Mitglied im Kirchenvorstand ist.  „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Gottesdienste machen kann. Nur manchmal ist auch ein wenig Trauer dabei, dass es nicht das ganze Pfarramt ist“. Denn Nicole Dresbach fühlt sich zur Pfarrerin berufen. „Als Gemeindepfarrerin kann ich die Botschaft von Jesus Christus in viel stärkerem Maße weitergeben als dies in der Schule möglich ist“.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat Nicole Dresbach als Pfarrerin im Ehrenamt anerkannt.  Dafür gab es einen offiziellen Beschluss der Kirchenleitung. „Dieses Entscheidung drückt die Wertschätzung gegenüber Pfarrerin Dresbach aus“, sagt Dekanin Ulrike Scherf „Die Rückendeckung der Kirchenleitung zeigt, dass ihr Dienst gewollt und erwünscht ist“.

Ob Nicole Dresbach jemals als hauptamtliche Gemeindepfarrerin in der EKHN arbeiten kann, ist völlig offen. Das hängt – wie so vieles – von der künftigen Entwicklung der Mitgliederzahlen und damit auch von der finanziellen Lage ab. Doch nach den Prognosen könnte es ab dem Jahr 2015 einen Pfarrermangel in der EKHN geben. Die Hoffnung, auf eine Pfarrstelle ist zumindest nicht aus der Luft gegriffen. Anders in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dort soll die Zahl der Pfarrstellen von derzeit rund 2000 bis zum Jahr 2030 halbiert werden. Nicole Dresbach sieht die Aussichten nüchtern und realistisch „Sich im Rheinland zu bewerben, ist zwecklos“. Für sie steht fest: „Sollte sich vielleicht in zehn Jahren in der EKHN etwas ergeben, werde ich nicht zögern und zusagen“. Bis dahin will sich die 36jährige Viernheimerin auf die Schule und den Religionsunterricht konzentrieren.

 

Text und Foto: bet