15.01.2009 Jugendliche haben die (Kirchen-)Wahl


Was im Superwahljahr 2009 bei Landtags-, Europa- oder Bundestagswahl unmöglich ist, das ist bei den Kirchenvorstandswahlen in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) nicht nur möglich, sondern auch erwünscht: bereits 14 bis 17jährige können wählen. Und das finden etliche Jugendliche im Dekanat Bergstraße „echt super“.

Christian Vock aus Rimbach (Bild links) ist 14 Jahre alt. Er engagiert sich in der evangelischen Jugend und arbeitet unter anderem in dem Team mit, das den Kindergottesdienst vorbereitet. Er will bei den Kirchenvorstandswahlen erstmals von seinem Wahlrecht Gebrauch machen „Ich will mitentscheiden und die wählen, die sich für die Belange einsetzen, die mir wichtig sind“, sagt Christian. Das ist natürlich vor allem die Jugendarbeit in der evangelischen Gemeinde Rimbach. Wenn sich die Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen werden, will der 14jährige dabei sein und genau zuhören. „Der Kirchenvorstand ist das leitende Gremium in der Gemeinde vergleichbar mit einer Regierung. Da ist es nicht egal, wer dort vertreten ist.“ 

 



Da sieht Eva Kissel aus Bensheim-Auerbach (Bild links) ganz ähnlich. Auch sie ist in der evangelischen Jugendarbeit aktiv und meint: „Der Kirchenvorstand kann die Jugendarbeit beeinflussen. Wir können nur dann ein tolles Programm für Kinder und Jugendliche machen, wenn die richtigen Leute im Kirchenvorstand sind“. Die 17jährige hat auch einen persönlichen Favoriten. Ihr 20jähriger Bruder wird für den Kirchenvorstand in der evangelischen Gemeinde Auerbach kandidieren. Er gehört damit zu den jüngsten Kandidaten überhaupt.


Im Idealfall soll der Kirchenvorstand die Zusammensetzung der Gemeinde widerspiegeln, die von jung bis alt reicht. Doch junge Menschen sind in den Kirchenvorständen bislang unterrepräsentiert. Wählen können bereits alle Jugendliche, die konfirmiert worden sind. Zur Wahl stellen kann man sich frühestens mit vollendetem 18. Lebensjahr. In allen Kirchengemeinden müssen mindestens 25 Prozent mehr Personen kandidieren als zu wählen sind.  Hat ein Kirchenvorstand 12 Sitze, muss es demnach mindestens 15 Kandidierende geben. Die Wählerinnen und Wähler haben damit eine echte Auswahl.

 




Johannes Krafczyk aus Alsbach (Bild links) würde möglicherweise kandidieren, er darf aber noch nicht. Als 15jähriger kann er noch nicht gewählt werden. Er hat dennoch einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, wer überhaupt zur Wahl steht. Denn Johannes gehört dem Benennungsausschuss der evangelischen Gemeinde Alsbach an. Dieser Ausschuss ist für die Aufstellung des Wahlvorschlags zuständig. Das heißt: Johannes hat mit den anderen Ausschussmitgliedern überlegt, wer überhaupt für eine Bewerbung in Frage kommt und dann die betreffenden Personen gezielt angesprochen. Auch Johannes hat Interesse daran, dass Jüngere für den Kirchenvorstand kandidieren. „Der Kirchenvorstand entscheidet schließlich auch über Jugendgruppen oder Freizeiten“, betont der 15jährige. „Mir ist es deshalb auch wichtig, dass junge Leute wählen gehen“.

 

 

 



In der evangelischen Kirche sind Jugendliche mit der Konfirmation religionsmündig. „Ich finde es sehr gut, dass die Religionsmündigkeit auch das Wahlrecht einschließt“, sagt Dekanin Ulrike Scherf. „Denn auch Jugendliche sollen sich vom Kirchenvorstand in ihrer Gemeinde vertreten wissen. Die Perspektive der Jugendlichen ist für unsere Kirche sehr wichtig und ich freue mich, wenn sie ihre Gemeinde durch die Teilnahme an der Kirchenvorstandswahl mit gestalten.“

Wahltermin ist der 21. Juni. Dann können 14 bis 17jährige das machen, was ihnen bei der Landtags-, Europa- oder Bundestagswahl verwehrt ist: wählen gehen und Kreuzchen machen!

 

Text.bet
Bilder: privat