07.01.09 Eine von 75.000: Menschen im Evangelischen Dekanat Bergstraße

Wenn im Mörlenbacher Ortsteil Vöckelsbach ein Kind geboren wird, dann läutet die Kirchenglocke einmal. Dafür sorgt Inge Hohenadel - seit genau 40 Jahren. Die Küsterin ist seit Januar 1969 im Dienst der evangelischen Kirchengemeinde.
Die Aufgabe hat Inge Hohenadel von ihrer Mutter „geerbt“, die ebenfalls als Küsterin tätig war. „Ich wurde einfach gefragt, ob ich das machen will“, erinnert sich die 67jährige. Sie hatte „ja“ gesagt, ohne damals zu ahnen, dass sie auch nach 40 Jahren noch die Glocke läutet. Solange es gesundheitlich geht, will sie diesen Dienst auch weiter leisten. „Früher war Kirchengeläut Handarbeit, da habe ich ausschließlich mit dem Seil geläutet“, sagt Inge Hohenadel. Seit Ende der 60erJahre kann sie das Geläut per Knopfdruck elektrisch auslösen. 
Mit Glocken läuten allein ist es allerdings nicht getan. Vor jedem Gottesdienst aktualisiert die Küsterin die Liedertafel in der kleinen Vöckelsbacher Kapelle, sie räumt bei Bedarf Schnee oder Laub, sie besorgt Blumenschmuck, kümmert sich um die Heizung, zählt die Kollekte und bringt sie nach Mörlenbach. Vier Mal wurde Inge Hohenadel zudem in den Kirchenvorstand gewählt. Seit 1997 ist sie Ehrenmitglied.
Vöckelsbach gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Mörlenbach und zählt rund 350 Einwohner. Die Gottesdienste finden nur alle vier Wochen statt. Früher wurden sie in der alten Grundschule gefeiert. Dieses Gebäude wurde dann an einen Architekten verkauft und eine neue Kapelle gebaut. Das Glockengeläut kommt allerdings immer noch aus der ehemaligen Schule, für die die Küsterin nach wie vor einen Schlüssel hat.
Inge Hohenadel hat einen äußerst zuverlässigen „Hilfsküster“. Das ist ihr Ehemann Bertold, der immer mit anpackt, wenn er gebraucht wird. „Ohne meinen Mann hätte ich das all die Jahre allein gar nicht machen können“, sagt die gebürtige und bekennende Vöckelsbacherin. Das Ehepaar hat eine Tochter und zwei Enkelkinder, die im Nachbarort leben.
Zu ihrem Dienstjubiläum hatte Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam in Erfahrung gebracht, dass der Küsterin nach 40 Jahren ein zusätzlicher Tag Urlaub zustehe. Als die Pfarrerin ihr das mitteilte, musste Inge Hohenadel herzhaft lachen „Ich habe in den 40 Jahren als Küsterin nicht einen einzigen Tag Urlaub gehabt. Wenn ich mal weg war, habe ich stets selbst für Ersatz gesorgt.“ Anfangs half noch ihre Mutter, später und bis heute ihre Schwester, die in der Nachbarschaft wohnt. In Vöckelsbach ist der Küster-Dienst nicht nur Ehrensache, sondern halt auch Familiensache.

Bild und Text: bet