09.11.13 "Die Bergsträßer schon immer vorne weg“ - 20 Jahre Christlich-Islamischer Dialog


Dicht gedrängt saßen Christen und Muslime im Oberlin-Haus der Evangelischen Heilig-Geist-Kirchengemeinde, als sie das 20jährige Jubiläum des Christlich-Islamischen Dialogs im Kreis Bergstraße feierten. Neben Katholiken und Evangelischen reihten sich Muslime aus Bensheim, Fürth, Viernheim und Wald-Michelbach um die Tische, junge Angehörige der pakistanischen Bashier Moschee und Senioren der türkisch-islamischen DiTiB.

In dem  Festvortrag äußerte sich Pfarrerin Susanna Faust-Kallenberg (Frankfurt) über den Stand und die Perspektiven der christlich-islamischen Beziehung . Die Beauftragte für das Interreligiöse Gespräch der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) setzte sich dabei besonders mit der Theologie und Person Martin Luthers auseinander. Dieser habe im Islam durchaus positive Elemente gesehen, etwa den Lebenswandel und die Gebetsfrömmigkeit der „Mohammedaner“. Wegen der fehlenden Rechtfertigung in der muslimischen Glaubenspraxis sei dem Wittenberger Theologen jedoch der Islam nicht mehr gewesen als eine „christliche Sekte“. Dennoch habe sich Luther für eine stärkere Kenntnis des Korans als grundlegendem islamischem Werk eingesetzt.

Faust-Kallenberg ihrerseits forderte einen Dialog zwischen Christen und Muslimen auf „Augenhöhe“, der das Gegenüber als Religionsgemeinschaft ernst nehme. Dies hätten etwa auch die beiden hessischen Kirchenpräsidenten Martin Hein und Volker Jung deutlich gemacht, als sie sich in ihrer gemeinsamen Begegnung mit den Vertretern der islamischen Verbänden in Hessen dafür einsetzten, dass in  dem seit Sommer 2013 möglichen Religionsunterricht „bekenntnisorientiert und kritisch unterrichtet“ werde.

Überwältigt zeigte sich zu Beginn des Abends Christel Fuchs, Vorsitzende des Heilig-Geist-Kirchenvorstandes, von der großen Resonanz, die die Veranstaltung gefunden hatte. Dem konnte Thomas Metz, erster Kreisbeigeordnete, in seinem Grußwort nur zustimmen. Die Zusammensetzung repräsentiere „die religiöse Vielfalt“ im südhessischen Kreis. Für den Dezernenten für Soziales und Ausländerfragen „gibt es keine Alternative zum Dialog und zur Verständigung, wenn wir unsere gemeinsame Verantwortung für ein friedvolles Zusammenleben ernst nehmen“. Unter den Teilnehmern waren die Imame Ali Cepi (Bensheim). Sefer Yaman (Viernheim) und Hüseyin Yürük (Fürth) sowie der gastgebende Pfarrer Frank Sticksel.

Auf die Situation im Jahr 1993 ging Dirk Römer in seinem historischen Streifzug ein. Der ehemalige Pfarrer in Heilig-Geist erinnerte an die Lichterkette am 30. Januar von Heppenheim nach Bensheim. Damals habe eine türkische Schülerin, die heute als Lehrerin in Heidelberg tätig ist, zu den Versammelten gesprochen. Es wurden die DITIB-Moscheen in Bensheim und Viernheim eröffnet und im November fand das erste Dialog-Treffen über das „Gebet“ im Koran und in der Bibel statt. Wie Faust-Kallenberg während ihres Vortrages mehrmals lobend erwähnte, seien „die Bergsträßer schon  immer vorne weg“.

Die Vertreter der Viernheimer Moschee, Recep Güzel und Hülya Dogan, überreichten der Ausländerbeauftragten des Kreises Bergstraße, Brigitte Paddenberg,  für ihre Verdienste um den Christlich-Islamischen Dialog einen repräsentativen Blumenstrauß, bevor eine ausgiebiges Buffet eröffnet und türkischer Tee ausgeschenkt wurde.


Text: Dirk Römer
Foto (privat): von links n. rechts: Dr. Gerd Baltes (Lernmobil Viernheim e.V.), Pfarrer i.R. Dirk Römer, Brigitte Paddenberg (Ausländerbeauftragte Kreis Bergstraße), Anita Stalf (Katholisches Dekanat Bergstraße-Mitte), Recep Güzel (Eyüp Sultan Moschee Viernheim).