08.11.13 "Opfer ehren und wachsam bleiben" - 75 Jahre Pogromnacht


Auch im Evangelischen Dekanat Bergstraße wird in vielen Sonntagsgottesdiensten am 10. November der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht. Vor 75 Jahren wurden in den Stunden vom 9. auf den 10. November in ganz Deutschland über 1000 Synagogen, rund 7500 jüdische Geschäfte und hunderte von Wohnungen niedergebrannt, Menschen misshandelt und getötet sowie tausende jüdische Bürger in Konzentrationslager verschleppt.

Die Erinnerung dürfe nicht enden, sondern müsse auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen, heißt es in einem Schreiben der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) an ihre rund 1170 Gemeinden. Es sei wichtig, „die Opfer zu ehren und wachsam zu bleiben, damit in unserem Land nie wieder Menschen anderen Glaubens oder anderer Herkunft verfolgt und misshandelt werden“.

Nach Ansicht des Kirchenpräsidenten der EKHN, Dr. Volker Jung, haben die Kirchen mit ihrem Schweigen am 9. November 1938 die Verfolgung und massenhafte Tötung jüdischer Menschen ohne Widerspruch geduldet. Sie trügen deshalb eine „hohe Mitverantwortung dafür, die Erinnerung an die grausamen Ereignisse am Leben zu erhalten“.

 „Die mit der Erinnerung verbundene Mahnung, jeder Form von Rassismus entschieden entgegen zu treten, ist heute notwendiger denn je“, erklärte der Kirchenpräsident. So habe der Antisemitismusbericht des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 2012 beispielsweise ein „großes Potenzial latent antisemitischer Einstellungen bis in die Mitte der Gesellschaft“ festgestellt „Die Kirchen müssen sich dafür einsetzen, dass antisemitische Äußerungen im Internet genauso wie die Leugnung und Politisierung des Holocaust durch gezielt gestreute Falschinformationen verboten und strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Jung.

Wichtig ist nach Jung außerdem die Entwicklung und Unterstützung pädagogischer Konzepte, die zur Aufklärung über die Ereignisse am 9. und 10. November beitragen könnten. Zudem müsse der christlich-jüdische Dialog weiter fortgesetzt werden. „Die Begegnung öffnet Türen, ermöglicht einen Einblick in gelebte Frömmigkeit und verhindert damit Vorurteile“, so Jung.

Die EKHN hatte sich mit den historischen und theologischen Dimension der christlich begründeten Judenfeindschaft auseinandergesetzt und ihre Abkehr davon 1991 in der Erweiterung ihres Grundartikels zum Ausdruck gebracht. Darin heißt es:

 „Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen bezeugt sie (die EKHN) neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.“

Auch das Geistliche Wort, das morgen in den Tageszeitungen „Bergsträßer Anzeiger“ und „Starkenburger Echo" veröffentlicht wird, setzt sich mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10.November 1938 auseinander.

 

Text: ekhn / red
Foto (bet): der Gedenkstein für die ermordeten Heppenheimer Juden am Standort der ehemaligen Synagoge