28.10.13  „Wir müssen miteinander reden“ - 20 Jahre Christlich-Islamischer Dialog


Am 29. Mai 1993 hatten in Solingen fünf Menschen ihr Leben verloren. Sie waren Opfer des Brandschlags auf eine muslimische Familie aus der Türkei. Bereits vorher ereigneten sich rassistische Übergriffe gegenüber Migranten in Hoyerswerda, Rostock und Mölln. Vor dem Hintergrund dieser menschenverachtenden Gewalt  wurde im Kreis Bergstraße vor 20 Jahren der Christlich-Islamische Dialog ins Leben gerufen

Am 16. November 1993 gab es in der Bensheimer Mevlana-Moschee ein erstes Treffen des Christliche-Islamischen Dialogs im Kreis Bergstraße, Thema war: Was versteht die Bibel, was der Koran unter „Gebet“? An stets wechselnden Orten mit unterschiedlichen Fragestellungen des religiösen und sozialen Alltags diskutierten  Vertreter der islamischen und christlichen Gemeinden zwischen Rhein und Odenwald. Jugendliche beider Religionen besuchten gemeinsam ihre Gotteshäuser in Worms, Speyer und Mannheim. Unmittelbar nach dem Überfall auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 gestalteten die Verantwortlichen aus Sorge um den Weltfrieden in der Evangelischen Heilig-Geist-Kirche (Heppenheim) ein interreligiöses Gebet. Pfarrer und Imame spielten gegeneinander Fußball, besuchten Kloster Münsterschwarzach und Kloster Lorsch.

Jetzt, 20 Jahre nach den ersten Begegnungen, wird in einer offenen Reihe nicht nur des Anfangs gedacht, sondern auch versucht, das gemeinsame Gespräch über Religionsgrenzen hinweg weiter zu führen. Am Donnerstag, den 7. November spricht Susanna Faust-Kallenberg (Frankfurt), die Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für interreligiöse Fragen, unter dem Titel „Wir müssen miteinander reden“ über den Stand und Perspektiven des christlich-islamischen Dialogs in der Bundesrepublik.  Ihr Vortrag findet um 19.00 Uhr im Oberlin-Haus (Heppenheim, Beethovenstraße 1 / Bensheimer Weg 25-27) statt. Drei Wochen später fordert Dr. Havva Egin (Heidelberg), Professorin am Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik „Kinder haben ein Recht auf Religion“, wenn sie am Donnertag, den 28. November über religiöse Grundbildung in Kitas und Schule im Sitzungssaal des Landratsamtes (Heppenheim, Ecke Gräffstraße/Wilhelmstraße) spricht.

Um klinische Seelsorge für Muslime geht es am 26. Februar in der Eyüp-Sultan-Moschee in Viernheim. Interreligiöses Kicken zwischen Imamen und Pfarrern ist im Frühjahr 2014 angesagt und am 12. Mai soll in einer Ausstellung im Foyer des Landratsamtes an „20 Jahre Christlich-Islamischer Dialog im Kreis Bergstraße“ gedacht werden.


Text: Dirk Römer
Foto (bet): Christlich-Islamischer Dialog in der IGMG-Fatih-Moschee Bei der interreligiösen Veranstaltung "Meile der Religionen" im Mai dieses Jahres besuchte eine Gruppe aus dem Ev. Dekaant Bergstraße auch diese Mosxchee im Mannheimer Stadteil Jungbusch, in dem Muslime mittlerweile die Mehrheit der Gläubigen stellen.