24.10.13  Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum - Ein Feiertag für alle


In einer Woche, am 31. Oktober, werden die evangelischen Christinnen und Christen wieder den Reformationstag feiern. Er erinnert an die 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach im Jahr 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Damit leitete er die Reformation ein. In vier Jahren wird dann das 500jährige Reformationsjubiläum gefeiert. Darüber sprachen wir mit dem Pfarrer für Ökumene und Mission im Dekanat Bergstraße, Tilman Pape.

Wie bereitet sich das Evangelische Dekanat Bergstraße auf das Reformationsjubiläum 2017 vor?
Tilman Pape: Seit eineinhalb Jahren schon gibt es einen Kreis in unserem Dekanat, der sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Kerngedanken der Reformation in den kommenden Jahren neu in die Gesellschaft hineingetragen werden können.

Wie groß ist dieser Kreis?
Er setzt sich zusammen aus den Pfarrern Renatus Keller (Lorsch), Dr. Christian Ferber (Bensheim), Sandra Matz (Alsbach), sowie Beate Schumacher-Ries (Beauftragte für Kindergottesdienst im Dekanat), Birgit Geimer (Beauftragte für Bildung im Dekanat), Heinz-Jürgen Schocke (Schulleiter i.R.) und Harry Hegenbarth (Eventmanager, Bensheim). Bis zu seinem Tod hat auch der Einhäuser Pfarrer Thomas Hoffmann mitgewirkt und seit zwei Monaten bin ich zu diesem Kreis dazu gestoßen.

Was meinen Sie mit den Kerngedanken der Reformation, die sie wieder neu in die Gesellschaft hineintragen wollen?
Durch die Reformation hat sich der Mensch vor 500 Jahren auf den Weg vom Mittelalter in die aufgeklärte Moderne gemacht. Durch die drei Begriffe „befreit“, „erlöst“ und „geliebt“ in allen ihren Dimensionen wollen wir deutlich machen, wie sehr sich Menschsein damals gewandelt hat und wie wichtig diese Attribute auch in unserer heutigen Gesellschaft immer noch sind.

Wie wollen Sie das umsetzen?
Wir denken an drei große Veranstaltungen in Bensheim mit mehreren tausend Besuchern jeweils um den Reformationstag 2015 und 2016 und 2017, aber auch eine Fülle von dezentralen Aktivitäten, die aus allen Gemeinden diese Dekanatsfeiern vorbereiten und begleiten.

Der Dekanatssynodalvorstand hatte in einer Resolution die Politiker aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass der Reformationstag 2017 einmalig ein arbeitsfreier Feiertag sein soll. Wie stehen Sie dazu?
Ich unterstütze das voll und ganz und – soviel ich weiß – ist das auf Bundesebene inzwischen auch schon positiv entschieden.

Die Begründung für den einmaligen Feiertag zum 500jährigen Jubiläum lautete: die Reformation gehe nicht nur Protestanten etwas an. Sie habe Umwälzung ausgelöst, deren Folgen bis in unsere Gegenwart reichen. Und das nicht nur in Deutschland. Wie kann dem Rechnung getragen werden, dass die Reformation ein internationales Ereignis war?
Ähnlich wie bei der Fußball-WM 2006 wird die ganze Welt 2017 zu Gast sein in Deutschland – schon jetzt kommen immer mehr Menschen aus dem Ausland nach Deutschland, um die Luthergedenkstätten in Eisleben, Mansfeld, Erfurt, Worms und Wittenberg zu besuchen. Und wir freuen uns, am 13. November um 19.30 Uhr den Pfarrer und Propststellvertreter Thomas Vieweg aus dem russischen Kaliningrad im Haus der Kirche zu Gast zu haben, der uns mit seiner Frau erzählen wird, was es bedeutet, als evangelischer Christ in einem überwiegend unchristlichen Umfeld zu leben. Das ist übrigens der Auftakt einer Vortragsreihe „Über den Tellerrand geschaut – evangelisch an anderen Orten dieser Welt“, mit der wir uns hier im Dekanat auf das Reformationsjubiläum zubewegen.

Reformation und Ökumene – vor allem mit den Katholiken. Ist das an der Bergstraße ein schwieriges Thema?
Wir arbeiten in der Ökumene in unserem Dekanat sehr gut mit unseren katholischen Brüdern und Schwestern zusammen  und für mich ist es ganz wichtig, dies Reformationsjubiläum nicht gegen oder ohne die katholische Seite vorzubereiten, sondern miteinander. Wir wollen nicht verschweigen, dass es vor 500 Jahren zu einer verhängnisvollen Kirchenspaltung gekommen ist, aber die eigentlichen Kernthemen der Reformation tragen unsere katholischen Geschwister schon lange gemeinsam mit uns und deshalb kann es für mich 2017 nur ein großes ökumenisches Fest geben.