02.10.13 Das EKD-Familienpapier und der Sonntag - Der freie Tag ist unverzichtbar


Um die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegebene Orientierungshilfe „Familie und Ehe“ ist eine heftige Diskussion entbrannt. Im Fokus der Kritik stehen dabei die Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe sowie die Aufwertung von Patchworkfamilien. Doch das EKD-Familienpapier greift auch einen Aspekt auf, der in der Debatte weitgehend unbeachtet blieb: die Bedeutung des Sonntagsschutzes für Familie und Partnerschaften.

Gemeinsame Zeit sei für Familien unverzichtbar, um sich als zusammengehörig zu erfahren, heißt es in dem Familienpapier. Die Autorinnen und Autoren, zu denen auch der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung gehört, stellen fest: „Viele Paare und Familien erleben Zeit aber heute als knappes Gut…Gemeinsame Zeit in der Familie entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv von den Familienmitgliedern  »hergestellt« werden.“

Dass Zeit ein knappes Gut geworden ist, dafür benennt das Familienpapier Ursachen: „Die Arbeitszeit und Familienzeiten haben einen verschiedenen Rhythmus und widersprüchliche Anforderungen. Diese unterschiedlichen  Zeittakte können in der Familie konfliktträchtig aufeinanderprallen.“ Deshalb kommt die Orientierungshilfe zu dem Ergebnis, dass an dem freien Sonntag nicht gerüttelt werden darf, dass dieser Tag als gemeinsam erlebter freier Tag wichtiger denn je ist. Wörtlich heißt es:

„Unverzichtbar ist der Sonntag als gemeinsamer erwerbs-, schul- und einkaufsfreier Tag, an dem für Gottesdienst, Gemeinsamkeit und Muße Zeit ist. Wenn Menschen einander nahekommen wollen, brauchen sie Zeit. Eltern möchten Zeit haben für ihre Kinder, Kinder möchten Zeit mit ihren Eltern verbringen, Paare brauchen Zeit für erfüllte Sexualität, gemeinsame Gespräche und Erfahrungen, alle Familienmitglieder brauchen auch Zeit  für sich selbst, und schließlich brauchen Familien auch Zeit für andere soziale Netzwerke, wie z.B. die Kirchengemeinde oder Vereine.“

Das ist eine deutliche Position für den freien Sonntag und gegen die Ökonomisierung des gesamten Lebens. Nach den statistischen Erhebungen hat Sonntagsarbeit in den letzten Jahren weiter zugenommen. Das spielt in der erregten Debatte um das EKD-Familienpapier aber bislang keine Rolle. Doch wenn der freie Sonntag „unverzichtbar“ für ein gelingendes Zusammenleben ist, dann könnte man durchaus zu dem Schluss kommen, dass Sonntagsarbeit und Sonntagskommerz für Ehe und Familie bedrohlicher sind als die von den Kritikern des EKD-Papiers monierte Gleichsetzung der Familie mit homosexuellen Partnerschaften. Aus Sicht von Sonntagsschützer/innen darf die Debatte um das Familienpapier durchaus eine andere Richtung nehmen.

Foto: Ein Einzelhändler, der nicht mitmacht beim verkaufsoffenen Sonntag – gesehen am 8. September in Regensburg
Text u. Foto: bet