23.09.13 Toleranz üben üben??? - Die "Aktion Nächstenliebe" als Wahlkampfschlager


Was Deutschland hinter sich hat, hat Österreich vor sich. Am kommenden Sonntag finden dort die Parlamentswahlen statt. Die Freiheitliche Partei – die FPÖ – buhlt mit der so genannten „Aktion Nächstenliebe“ um Wählerstimmen, Eine kritische Betrachtung im Lichte der heute gestarteten EKHN-Aktion „Toleranz üben üben“.

„Liebe deine Nächsten“ – so lautet die Botschaft, die die FPÖ überall und unübersehbar auf großformatigen Plakaten unters Wahlvolk bringt. Offenbar mit Erfolg. In aktuellen Umfragen kommt die als rechtspopulistisch geltende Partei auf 20 Prozent. Wer die „Nächsten“ sind, stellt FPÖ-Spitzenkandidat Heinz Christian Strache unmissverständlich klar: „Für mich sind das unsere Österreicher.“

Frauen mit österreichischem Pass werden zwar nicht ausdrücklich genannt, aber sie, das sei unterstellt, schließt die FPÖ in ihre „Nächstenliebe“ sicherlich mit ein. Nicht aber die Anderen. Ausländer, Fremde, Flüchtlinge. Und das ist das genaue Gegenteil der Botschaft von der Nächstenliebe, die Jesus verkündet.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ fordert Jesus und wird darauf gefragt ‚“Wer ist mein Nächster?“ Als Antwort erzählt er die Geschichte vom barmherzigen Samaritaner. Es ist nicht der angesehene Priester, der geachtete Levit, sondern der Angehörige einer ausgegrenzten, verachteten Minderheit, der dem unter die Räuber gefallenen Menschen zum Retter, zum Nächsten wird.

Auffällig ist, dass die FPÖ für ihre Wahlkampfbotschaft den Plural wählt. „Liebe deine Nächsten“. Damit wird klar, dass nicht ein Mensch, sondern eine bestimmte Gruppe gemeint ist, während andere Gruppen von der „Aktion Nächstenliebe“ bewusst ausgegrenzt werden. Für sie gilt die „Aktion Nächstenliebe“ nicht.

Ist das tolerabel? Kann man gegenüber einer solchen Haltung Toleranz üben üben?

Von Kurt Tucholsky stammt der Satz „Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat". Nimmt man die von Jesus geforderte Nächstenliebe, nimmt man die Geschichte vom barmherzigen Samaritaner ernst, dann hat die FPÖ nicht recht - nicht einmal verdachtsweise. Sie pervertiert die christliche Botschaft. Insofern ist Toleranz gegenüber der „Aktion Nächstenliebe" nicht angebracht – nicht einmal zu Übungszwecken.

Uns interessiert Ihre Meinung: Was heißt für Sie Toleranz? Wo und gegenüber wem sollten wir Toleranz üben üben? Und wo endet für Sie Toleranz?

Schreiben Sie uns. E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de
Einsendungen  werden wir auf dieser Website veröffentlichen.

Mehr zur EKHN-Aktion unter: http://www.ekhn.de/aktuell/toleranz/startseite.html

 

Text u. Foto: bet