05.09.13 Starke Gefühle - Bei Tango, bei Kunst und beim Hospizdienst


Was haben der argentinische Tango, der Hospizdienst und die Kunstwerke von Ursula Müller gemeinsam? Bei allen geht es um „starke Gefühle“. Das wurde bei der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung im Heppenheimer Haus der Kirche eindrucksvoll demonstriert.

Der Hospizdienst im Weschnitztal und Überwald hat Fotoporträts ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angefertigt. Die Menschen, die Sterbende begleiten, zeigen Gesicht. Kurze Zitate machen deutlich, was ihnen an der Hospizarbeit wichtig ist. „Niemand sollte allein oder einsam sterben“, betont etwa Ingeborg Novotny-Kumpf.  Shahondra Hickel-Ramamonij hat die Erfahrung gemacht: „Nähe nimmt Angst“. Stephan-Kurt Wiederroth will „dem Sterbenden Zeit, Ruhe und ein Ohr geben‘“. Armgard Schmitt (2. Foto links) meint: „In der Hinwendung mache ich immer wieder bereichernde Erfahrungen“. Ganz ähnlich formuliert es Ingeborg Seitz: „Begleitungen sind bereichernde Erfahrungen“.

Der ambulante Hospizdienst ist eine Besonderheit des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Die Koordinatorin Anneliese Pappe-Fischer legt Wert darauf, dass der Hospizdienst kein eingetragener Verein ist. „Träger ist das Evangelische Dekanat. Aber die Ehrenamtlichen kommen aus beiden Konfessionen. Entscheidend ist, das gelebter Glaube praktiziert wird“. Und das seit nunmehr 20 Jahren. Der Hospizdienst feiert mit der Ausstellung im Haus der Kirche auch ein Jubiläum.

Musikalisch begleitet wurde die Ausstellung von Propsteikantor Konja Voll am Klavier. Eine Premiere im Haus der Kirche gab es mit dem Tango-Tanzpaar Isabella Bayer und Jaro Cesnik aus Mannheim (Foto oben). Beim Tango gebe es keine vorgegebenen Schritte oder Tanzfiguren. Alles sei Improvisation. Die Tänzer müssten viel spüren und viel Gefühl zeigen, erläuterten die beiden und legten dann drei beeindruckende Tänze aufs Parkett. Bei den Zuschauern löste das ganz starke Gefühle aus.

Als Künstlerin, die seit nahezu 30 Jahren mit Ton arbeitet, hat Ursula Müller aus Bensheim Gefühle geformt und in Skulpturen verarbeitet. Diese Arbeiten machte sie nach eigenen Angaben nach einer Zäsur, nach einem einschneidenden Ereignis in ihrem Leben. In einer Vitrine sind Skulpturen zu sehen, die durch starke Gefühle der Trauer geprägt sind. Kunst erscheint hier als ein Weg der Trauerbewältigung. In einer zweiten Vitrine gibt es das Gegenprogramm. Die Skulpturen zeigen Menschen, die Trost und Zuwendung erfahren. Es sind Menschen, die nicht alleine sind. Sie haben jemanden, der Zeit für sie, Zeit für ein Gespräch hat. Und das, so meinten viele Ausstellungsbesucher, passe treffend zur Tätigkeit der Hospizbegleiter.

Zum Abschluss servierte das Ausstellungsteam "kulinarische Streicheleinheiten". Es handelte sich um Odenwälder Spezialitäten, die ein ganz starkes Bauchgefühl auslösten.

Die Ausstellung „Starke Gefühle“ ist bis zum 16. Oktober im Haus der Kirche, Ludwigstraße 13, Heppenheim zu sehen. Öffnungszeiten sind werktäglich (außer Montag) von 9.00 bis 12.00 Uhr sowie von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr oder nach Vereinbarung.


Text u. Fotos: bet