08.08.13 Sommerbegegnungen mit Schlammpeitzger und Blutweiderich - Das Haus der Kirche auf (Rad-)Tour


Von dem auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehenden Schlammpeitzger, über den Blutweiderich im Überlaufbecken und Wanderfalken in 80 Meter Höhe bis zu Libellen mit bemerkenswertem Sexualverhalten – das waren nur einige von vielen Sommerbegegnungen auf der naturkundlichen Radtour, die das Evangelische Dekanat Bergstraße gemeinsam mit der Naturschutzbund (Nabu) veranstaltete.

Am Beispiel des Heppenheimer Stadtbachs (2. Foto) erläuterte der Landesvorsitzende des Nabu Hessen, Gerhard Eppler, wie durch einen natürlichen Uferbereich oder den Einsatz von so genannten Strömungssteinen, die unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten hervorrufen, mehr Leben in ein Gewässer gebracht werden kann. Der Stadtbach, so Gerhard Eppler, solle im offen liegenden Bereich bis zum Bahnhof renaturiert werden.

Ein als Hochwasserrückhaltebecken angelegtes Gelände mitten in der Wohnbebauung von Heppenheim hat sich nach Ansicht des Nabu-Vorsitzenden so natürlich entwickelt, dass es dort inzwischen aussieht wie im Donau-Delta. Schilf, Weiden, Blutweiderich und die rauhaarige Weidenröschen prägen das Bild. „Ein Naturjuwel“, schwärmte Gerhard Eppler. Halt machte die Tour auch an einem Brückengeländer, an dem ein Warnschild darauf hinweist, dass sich in dem Stahlrohre Wespen eingenistet haben. (3. Foto)  Es handelt sich um die laut Nabu absolut harmlosen gallischen Feldwespen.

Im Bruchgraben westlich von Heppenheim lebt mit dem Schlammpeitzger einer der seltensten Fischarten in Hessen, betonte Gerhard Eppler. Wegen der Geräusche, die er mitunter macht, wird er auch Gewitterfurzer genannt. „Das nehme ich in mein persönliches Schimpfwörterbuch auf", sagte Joachim Dietermann, der aus Jugenheim für die Radtour angereist war.

Die Wiesen im Naturschutzgebiet Weschnitzinsel von Lorsch (Foto oben und unten), die auch von über 50 Zugvögelarten als Rastgebiet genutzt werden, sind nach Angaben des Nabu überdüngt und haben in diesem Zustand für den Naturschutz kaum noch eine Bedeutung. Doch da war doch noch was? Richtig – das Paarungsverhalten der über der Weschnitz schwirrenden Libellen. Sie müssen dabei Verrenkungen machen, die eher an Akrobatik erinnern.



Vorbei an dem östlich des Klosters Lorsch entstehenden frühmittelalterlichen karolingischen Hof Lauresham zeigte Gerhard Eppler auf eine hölzerne Kiste in 80 Meter Höhe. Sie wurde auf Initiative des Naturschutzbundes an einem Hochspannungsmast angebracht. Es ist das Nest von Wanderfalken. Es sind ursprünglich Felsenbrüter. Den Stahlmast haben sie inzwischen als Felswand akzeptiert und dort zum vierten Mal in Folge Junge zur Welt gebracht.

Beim Besuch des Naturschutzzentrums Bergstraße, das die Radler trotz düsterer Wetterprognose zum Ende der Tour trocken erreichten, erläuterte Gerhard Eppler, wie der Nabu mit Projekten für Kinder oder Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose versuche, Naturschutz mit sozialen Aspekten zu verbinden. „Damit gibt es viele Berührungs-punkte mit der Kirche, die ja auch für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit plädiert“, so der Nabu-Vorsitzende.

Zum Abschluss der sechsteiligen Veranstaltungsreihe "Sommerbegegnungen", die in diesem Jahr unter dem Motto stehen „Die Schöpfung bewahren“, lädt das Evangelische Dekanat am kommenden Mittwoch (14. August) ab 20.00 Uhr zu einem Kleinkunstabend ein. Bei Regen im, bei trockenem Wetter unter der Linde hinter dem Haus der Kirche. Der Eintritt ist wie immer frei.

 

 

Text u. Fotos: bet