02.08.13 Rente mit 67 - „Je älter man wird, umso stärker nimmt einen das mit“


Die Demenz-WG im Alten Forsthaus von Jugenheim ist die erste Wohngemeinschaft dieser Art in der Region Bergstraße. Dort wo dementiell erkrankte Menschen zusammenwohnen, arbeitet Bettina Mecklenburg. Die 28jährige Alten- und Krankenpflegerin ist Mitarbeiterin der Diakoniestation, die ihre Büros im Alten Forsthaus hat und unter anderem auch für die Demenz-WG zuständig ist.

Bettina Mecklenburg ist eine Frau, die weiß, was sie will und was sie nicht will. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung zur Altenpflegerin hat sie eine zweijährige Ausbildung zur Gesundheit- und Krankenpflegerin absolviert und im Anschluss noch eine einjährige Fachausbildung in Gerontopsychiatrie. In einem ist sie sich ganz sicher: So wie sie jetzt arbeitet, kann und will sie bis zur Rente mit 67 auf keinen Fall weitermachen. „Ich habe Schichtdienst, ich habe Wochenendarbeit, ich habe Rufbereitschaft. Je älter man wird, umso stärker nimmt einen das mit“, sagt die 28jährige, die dafür eigene Beispiele in der Familie hat. Ihre 44jährige Tante ist Krankenschwester, ihr 47jähriger Onkel Rettungssanitäter. Beide klagen über zunehmende körperliche Belastungen.

Bei der Pflege kommt es auf Technik, Erfahrung, aber mitunter auch auf Kraft an. „Meine Patienten müssen sich doch auf mich verlassen können, dass ich sie halten kann und sie nicht fallen lasse. Und das sehe ich mit zunehmendem Alter kritisch“, betont die Alten- und Krankenpflegerin, die derzeit nicht nur Vollzeit arbeitet, sondern auch viele Überstunden macht. „Ich bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Wenn aus unserem Team jemand krank wird oder ausfällt, springe ich ein, bevor es eine Kollegin tun muss, die eine Familie zu versorgen hat. Aber das kann und will ich nicht bis zur Rente machen“. Bereits jetzt vermisst Bettina Mecklenburg die freien Wochenenden mit Freunden. Wenn sie Rufbreitschaft hat, muss sie zwingend in der Nähe ihres Einsatzgebietes bleiben.

Doch das ist nicht das einzige, was schlaucht. „Die knappen Zeitvorgaben, die die Kassen machen, empfinde ich als belastend. Vor allem für ältere Menschen ist es frustrierend, wenn ich keine Zeit für sie habe“. Zusätzlicher Druck entsteht durch die geringere Verweildauer in den Krankenhäusern. „Patienten werden immer früher entlassen, Und wenn wir sie dann zu Hause pflegen, sind oft die nötigen Hilfsmittel, wie ein höhenverstellbares Bett noch nicht vorhanden“, kritisiert Bettina Mecklenburg. Die Arbeitsbelastung und der Zeitdruck sind oft und immer wieder Thema in Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen der Diakoniestation.

Mit dem Pensum, das sie jetzt an den Tag legt, will die 28jährige auf Dauer nicht weitermachen. Und dabei denkt sie nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahren. „Ab Mitte 30 möchte ich am liebsten keinen Schichtdienst mehr machen und langfristig versuche ich, ganz aus der Pflege herauszugehen“.  Bettina Mecklenburg strebt deshalb eine Leitungsfunktion an. Sie hat eine zweijährige Ausbildung für die Heim- und Pflegedienstleitung begonnen. Denn sie möchte im Gesundheitsbereich weiter arbeiten, etwas anderes mag sie sich gar nicht vorstellen. „Es gibt zwar Tage, da wünsche ich mir, endlich Urlaub zu bekommen. Doch wenn ich dann drei Wochen frei habe, freue ich mich auch immer auf die Arbeit“.

 

Text u. Foto: bet