31.07.13 Rente mit 67 - „Jugendarbeit bis zum Renteneintritt – Nein, Danke!“


„Wer Jugendarbeit machen will, muss wissen, wie Jugendliche ticken“. Das ist die Devise von Arik Siegel. Der 32jährige ist Gemeindepädagoge im Dekanat Bergstraße und arbeitet mit Kindern und Jugendlichen in den Kirchengemeinden von Gronau-Zell und Auerbach.

Arik Siegel kennt Kollegen, die über 50 Jahre alt sind und eine ganz hervorragende Jugendarbeit machen – der Dekanatsjugendreferent gehört für ihn dazu. Doch selbst kann er sich nicht vorstellen, bis zum Renteneintritt mit 67 Kinder- und Jugendarbeit zu machen. „Bei der Jungschar neulich hing mir einer an den Beinen, der hat mich immer Papa genannt. Irgendwann bin ich dann der Opa“.

Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen - das hält Arik Siegel bei seiner Tätigkeit für erstrebenswert. Je größer der Altersunterschied, desto schwieriger werde das. „Auch wenn es Ausnahmen gibt, plädiere ich für eine Altersgrenze. Mit 40, spätestens mit 45 Jahren sollte ein Gemeindepädagoge aus der Jugendarbeit rausgehen“, meint Arik Siegel. Beschäftigungsmöglichkeiten gebe es auch in der Altenarbeit oder wie im Dekanat Bergstraße in der Mehrgenerationenarbeit und Psychiatrie-Seelsorge.  Doch eins zu eins werde das nicht aufgeben. Zumal Kinder- und Jugendarbeit nach seiner Überzeugung auch künftig Priorität haben sollte. Für die Zukunft der Kirche sei es entscheidend, Zugang zu diesen Altersgruppen zu bekommen.

Manchmal denkt Arik Siegel, er sei mit seinen 32 Jahren für die Jugendarbeit schon „ein alter Sack“  – etwa wenn er auf Anhieb nicht die neueste Jugendsprache versteht. „Yolo“ sei so ein Beispiel. Das Kürzel steht für „You only live once“ (Du lebst nur einmal). Jugendliche geben damit zu verstehen, dass sie Spaß haben wollen – alles andere ist ihnen egal.

Um Jugendliche dort abzuholen, wo sie sich befinden, springt Arik Siegel mitunter über seinen Schatten. Facebook ist so ein Beispiel. Bei diesem sozialen Netzwerk hat er große Bedenken, wie Daten gehortet werden und Privates gegenüber einer großen Öffentlichkeit ausgebreitet wird. Doch er hat sich auf die bei Jugendlichen so  beliebte Kommunikationsform eingelassen. „Wenn ich Termine für Veranstaltungen oder Einladungen für die Mitarbeiterjugend nicht auf facebook poste, bekommen manche das gar nicht mehr mit“.  Die Kinder- und Jugendarbeit sei der einzige Grund, warum er Facebook nutze. „Wer sich nicht auf technische Neuerungen einlässt, kann im Grunde keine gute Arbeit mit Kindern und Jugendlichen machen“, meint der Gemeindepädagoge.“

„Jugendarbeit ist meine Berufung“, betont Arik Siegel mit Nachdruck. Aber ohne zu zögern fügt er hinzu: „Jugendarbeit bis zum Renteneintritt – Nein, Danke!“ Das werde den jungen Menschen nicht gerecht und  gehe nur in Ausnahmefällen gut. Die Rente mit 67 sei für ihn ohnehin nur eine versteckte Rentenkürzung. Er selbst wolle auf keinen Fall bis 67 arbeiten - ganz gleich was komme. Auch wenn er dadurch eine weitere Rentenkürzung hinnehmen müsse. Bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter hätte er auch nicht als Zimmermann arbeiten wollen und können. Es ist der Beruf, den er ursprünglich gelernt hatte, aber wegen Rückenproblemen nicht mehr ausüben konnte. Bei Rente mit 67 heißt es auch für Arik Siegel: „Yolo!“

 

Text u. Foto: bet