07.06.13 EKHN als "Sprachpanscher" nominiert - Beihilfe von Bergsträßer Gemeinden?


Eine heikle Frage! Haben sich Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Bergstraße der Beihilfe zum „Sprachpanschen“ schuldig gemacht? Der Verein Deutsche Sprache in Dortmund hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für die Auszeichnung „Sprachpanscher 2013“ nominiert. Der Grund: die Aktion „Weihnachten ist Geburtstag“, bei der auf Postern, Bannern und Plakaten zu lesen war: „Merry Birthday!“

Die Kirchengemeinde Wald-Michelbach gratulierte mit dem weithin sichtbaren Banner „Merry Birthday“ an der Kirche in Siedelsbrunn (Foto unten). Einen Banner mit gleicher Aufschrift hatte die Kirchengemeinde Birkenau angebracht (Foto oben). Die Aktion sollte auf die Geburt Jesu aufmerksam und damit deutlich machen, warum Christinnen und Christen Weihnachten feiern. Dafür ist die EKHN seit gestern nun eine von fünf Kandidaten für die Negativ-Auszeichnung „Sprachpanscher 2013“

Negativ sieht die EKHN die Nominierung allerdings nicht. Der Leiter der EKHN-Öffentlichkeitsarbeit Stephan Krebs und EKHN-Pressesprecher Volker Rahn reagierten erfreut. Es sei schon bemerkenswert, dass die Weihnachtsaktion eine solche Wirkung erzielt habe weit über die Grenzen der EKHN hinaus. Da die Aktion offensichtlich auch noch Monate später im Gedächtnis hafte, sei ein Teilziel erreicht worden. Allerdings sei von der Kirche keine Sprachpanscherei beabsichtigt gewesen. „Wir wollten lediglich augenzwinkernd mit Sprache spielen.“ Die Nachricht von der Nominierung erhielten sie während einer Konferenz der Referenten für Öffentlichkeitsarbeit gestern in Herborn just zu dem Zeitpunkt, als die Aktion zu Weihnachten und die darauf folgende Kampagne zu Ostern bilanziert wurden. In nicht ganz astreinem Englisch bemerkte einer der Öffentlichkeitsarbeiter zu dem vom Verein Deutsche Sprache gegeißelten Anglizismus „Merry Birthday“: „Our church-english makes us no one so quick after!“

Bei der Nominierung für den Sprachpanscher 2013 ist die EKHN in guter Gesellschaft. Weitere Kandidaten sind Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die Spielwarenfirma Playmobil und – das ist doch nicht die possibility! – ausgerechnet der Duden.

Die Begründungen: 

Mit unbeholfenen Exkursionen ins Englische mache Schäuble seit Jahren den Übersetzern in Brüssel Konkurrenz und falle damit allen Versuchen in den Rücken, Deutsch als echte Arbeitssprache in der EU zu verankern.

Nahles habe nach ihrer Reise zum "Obama-Headquarter" die SPD-Wahlkampfhelfer in "Campaigner" umbenannt und "Give-Aways" für den Wahlkampf vorgestellt.

Playmobil verwende englische Ausdrücke für seine Spielwelten wie "Dollhouse" oder "Citylife".

Und auch die Duden-Redaktion traf der Bannstrahl der Sprachschützer:  Wenn heute in deutschen Texten von downloaden, Shorttrack, Jobhopping oder Eyecatchern die Rede sei, würden sich die Urheber regelmäßig darauf berufen, dies sei durch den Duden abgesegnet.

Über die Verwendung von Anglizismen sollten alle Beteiligten vielleicht nochmal reden – etwa bei einem Round-Table-Gespräch  pardon: bei einem Gespräch am Runden Tisch, aber nur wenn er keine Ecken und Kanten hat.

 

Text: bet
Fotos: Ev. Kirchengemeinde Birkenau (oben) und Ev. Kirchengemeinde Wald-Michelbach
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