03.05.13 Blog vom Evangelischen Kirchentag in Hamburg - Der dritte Tag


Hamburg 03. Mai

Warten – Schlange stehen - Halle überfüllt  

Es ist alles ins Wasser gefallen. Eine Halle und das Thalia-Theater überfüllt. Und das Kabarett, das wir besuchen wollten, hat nicht stattgefunden. Dennoch gab es schöne Momente: Wir haben ein ehemaliges Mitglied des Bergsträßer Dekanatssynodalvorstands getroffen und den Posaunenchor von Wald-Michelbach. Das ist bei so einer solchen Großveranstaltung ja keine Selbstverständlichkeit. An einer Veranstaltung zum Thema Armut nahmen Bruder Paulus aus Frankfurt, Claudia Roth von den Grünen und ein Mitglied der Piratenpartei ein, der sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.500 Euro aussprach. Welchen Beitrag kann die Kirche gegen Armut leisten? Das ist für mich die entscheidende Frage. Weil die Veranstaltungen überfüllt waren und eine ausgefallen ist, haben wir mit der Fähre einen Ausflug nach Finkenwerder unternommen. Wir machen das Beste aus der Situation.

Ute Gölz

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Welt der Kulturen, Welt der Religionen. Alles herrlich entspannend auf der Gartenschau in Hamburg. Eine wunderbare Alternative zu überfüllten Kirchentagsveranstaltungen.


Stefanie Becker

 

 

 

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Vor dem Thalia-Theater lassen die Veranstalter zu Kabarettveranstaltungen wiederholt hunderte von Zuschauern warten, um dann 20 Minuten nach Beginn der Veranstaltung, ohne vorher überhaupt anzudeuten, dass nur eine Handvoll Zuschauer noch Platz haben, das Schild "Halle überfüllt" hochhalten. Warum kann man so etwas nicht zwei  Stunden vorher der wartenden Menge andeuten, dass die einen entspannten Nachmittag erleben können? ?? Was sich da abgespielt hat,  war selbst für Kirchentagsverhältnisse unglaublich.

Bruno Ehret

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Auch ich habe mir vor dem Thalia-Theater die Beine in den Bauch gestanden und bin nach einer Stunde Wartezeit gegangen. Alternativ wollte ich mir Benjamin Brittens „War Requiem““ zum 70jährigen Gedenken an die Operation Gomorrha anschauen. Doch vor der‘ Hauptkirche St.Petri stand 45 Minuten vor Beginn bereits  eine 150 Meter lange Schlange. Eine Helferin meinte, ich könnte mich zwar anstellen,aber sie können mir keine Hoffnung machen, dass ich auch einen Platz bekommen werde. So zog ich weiter zum Rathausplatz zum „Liederbogen“ mit Fritz Baltruweit (Foto links). Und  - das stand nicht im offiziellen Programm – noch einen anderen Musiker habe ich gesehen und von einiger Entfernung fotografieren können: Udo Lindenberg. (auf dem Foto unten rechts)


Berndt Biewendt

 

 

 

 

 

 

 

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Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Frank Walter Steinmeier hielt gemeinsam mit dem Arzt und Ethiker Eckhard Nagel eine Bibelandacht zum "Erlassjahr - Wie es gehen kann" (5. Mose 15,1-11). Steinmeier betonte mehrfach, dass jeder Mensch das Recht auf einen Neuanfang, einen Neubeginn habe. Das begründete er auch biblisch. Kommentar einer Zuhörerin, die neben mir saß: "Ich wusste gar nicht, dass der Steinmeier so fromm ist!"

Berndt Biewendt

 


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Um die Frage "Krieg als Geschäft?" und um Rüstung made in Germany ging es bei einer Podiumsdiskussion mit Rüstungsexportbefürwortern wie Georg Wilhelm Adamowitsch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie und Rüstungsexportgegnern wie Andrew Feinstein, der einst für den südafrikanischen ANC arbeitete. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider (Foto) sagte, die Kirche habe die Lehre vom gerechten Krieg durch die Lehre vom gerechten Frieden ersetzt. Waffengewalt aber bleibe die ultima ratio.. "Wenn ich aber abends die 'Tagesschau' sehe, habe ich das Gefühl, dass die ultima ratio zum Normalfall geworden ist", fügte Nikolaus Schneider hinzu.

Mein persönlicher Eindruck: der Aufschrei, dass Deutschland inzwischen drittgrößter Waffenxporteuer der Welt ist, blieb auf dem Evangleischen Kirchentag aus. Rüstungsexporte haben bei uns Konjunktur, das Thema "Frieden schaffen - ohne Waffen" nicht!

Berndt Biewendt

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Früher war sie als "Skandalnudel" in jeder Talkshow gefürchtet. Nach Ausflügen in die Welt des Hinduismus hat sich Nina Hagen taufen lassen - "von einem Priester mit Zertifikat", wie sie auf dem "Roten Sofa" der Evangelischen Sonntags-Zeitung betonte. Das Wort Jesu helfe ihr jetzt in allen Lebenslagen. "Ich predige auch immer auf meinem facebook", betonte Nina Hagen. Gegenüber der ESZ-Redakteurin Andrea Seeger (auf dem Foto rechts), die sich in dem Interview mit der Sängerin tapfer schlug, bekannte sie zudem, dass sie vor jedem Essen bete. Gäste, die nicht mitbeten wollten, bekämen bei ihr auch nichts zu essen. Die Fan-Gemeinde war begeistert und sang mit Nina Hagen am Schluss lautstark "We shall overcome". Auch das ist Kirchentag!!!

Berndt Biewendt

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Freitag früh- endlich der Michel von innen. Erwartet hatte ich hanseatische Strenge- dann überwältigend : hell, heiter das Ambiente. Der Haupvortrag nach der Andacht fällt leider aus  - setzt sich unsere Pechsträhne von Donnerstag fort?  Schnell ist aber ein anderer sehr interessanter Ort gefunden: Die Fischauktionshalle mit einer Veranstaltung zur Elbvertiefung. Heiner Geißler hier, wie auch bei Stuttgart 21 als derjenige, der vermittelt, Alternativen aufzeigt. Er spricht sich klar dafür aus, dass Bürger nicht nur angehört werden, sondern mitbestimmen. Allerdings auch, dass Deutschland Großprojekte braucht.

Die Zuschauer sind aufgefordert Position zu beziehen für maximalen oder relativen Umweltschutz.

Wichtig ist, dass es ein faires Verfahren gibt und ein konsensfähiges Ergebnis.

Am Nachmittag im Congresszentrum Thema Arbeitswelten.Eine Premiere- die erste Großveranstaltung von Kirche und Gewerkschaft. Michael Sommer und Präses Schneider haben einen guten Draht zueinander, aber beim Streikrecht vertritt man eben gegensätzliche  Meinungen.!!

Lustig: als Sommer bemerkt, dass Pfarrer ja nur sonntags arbeiten, entgegnet Schneider :"Nein sonntags feiere Ich" ... großer Beifall..

Vor dem Congresszentrum im Gespräch Nina Hagen echt schrill

Dann am Abend das Open air Konzert mit den Wise Guys. überwiegend junge Leute und gute Laune sowieso. Der Abschluss mit dem Irischen Segen..ganz nach meinem Geschmack. Gut auch, dass die ca 60.000 wieder geordnet den Platz verlassen haben.

Ute Gölz

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Markt der Möglichkeiten oder "das ist doch nicht die possibility?!"

Auf dem Messegelände könnte man wahrscheinlich den gesamten Tag herum laufen und es würde nicht langweilig werden. Heute Morgen haben wir uns auch mal auf den Weg gemacht und hatten super viel Spaß dabei, Kugelschreiber, Stoffbeutel und Flyer zu sammeln. An einem Stand wurden wir direkt als Konfi-Teamer identifiziert und bekamen Bändchen, wo genau das drauf stand. Wir hatten eine sehr nette Unterhaltung mit einer der Standbetreuerinnen und sie fotografierte uns am Ende sogar mit einem von uns gestalteten Bild - an dem Stand hängen wir jetzt an der Wand. Woanders bekamen wir die Möglichkeit uns etwas für den Kirchentag in Stuttgart 2015 zu wünschen: Definitiv eine Verbesserung der Smartphone App, bei der eindeutig noch die jeweils nächsten U-Bahnstationen für die Veranstaltungen fehlen. Besonders cool war auch, dass die Einrichtung, bei der ich ab August ein 6monatiges Praktikum mache, ebenfalls vor Ort war.

Wir haben auch Mareike Sigloch getroffen (ehemalige Jugendvertreterin, Gemeinde Einhausen) und haben gemeinsam ihrem Bruder Sebastian Sigloch (Gronau-Zell) zugejubelt, der mit dem Auswahlchor der Posaunenchöre in den Propsteien Starkenburg und Frankfurt Blech Pur auf der Bühne stand (Foto oben). Immer wieder schön, bekannte Gesichter auf dem Kirchentag zu sehen!

Natalie Hechler