02.05.13 Blog vom Evangelischen Kirchentag in Hamburg - Der zweite Tag


Hamburg 02. Mai

Gottesdienst oder Rockkonzert?

Am heutigen Donnerstagmorgen entschieden sich Jenny und ich –  wir beide sind  Jugendvertreterinnen im Dekanat Bergstraße -  den Kirchentag nach einem wunderschönen Abend der Begegnung mit einem Rockgottesdienst zu beginnen. Wir erwarteten einen großen Ansturm und so waren wir schon 40 Minuten vor Beginn in der St. Petri Kirche in Altona - wir erhaschten gerade noch so Plätze vorne auf dem Boden! Die Gruppe On The Rocks war überwältigt von den vielen Leuten und begannen früher als geplant, da der Rest der Besucher leider sowieso vor den Türen bleiben musste.

Es erfolgte eine Rockandacht zum Thema "was - du - brauchst", wobei das "was?" heute im Vordergrund stand, die anderen beiden Themen folgen am Freitag und am Samstag. Mit bunten Lichtern, einer Nebelmaschine, Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Keyboard verwandelten On The Rocks die Kirche schnell in einen Konzertsaal. Die Stimmung war gigantisch, spätestens nach der Hälfte standen alle Besucher und klatschten und tanzten zu den selbstgeschriebenen Texten, die von "Du bist kein Hirngespinst" bis "Ich will alles" alle leicht ins Ohr gingen. Die Textzeile "Lasst uns miteinander gehen, zueinander stehen, unser Gott geht mit uns" sangen wir schließlich alle laut im Chor und ich glaube es gab niemanden, der in diesem Moment kein Lächeln auf dem Gesicht hatte. 

Es ist etwas völlig anderes als ein normaler Gottesdienst, aber nicht nur junge Leute waren begeistert - als es am Ende eine Zugabe gab, standen einige 'alte Herren' tanzend in der ersten Reihe. Wir wurden auf jeden Fall nicht enttäuscht und hätten uns keinen besseren Beginn des ersten Tages vorstellen können - jetzt sind wir auch richtig wach, voller Energie und gehen mit dem am Ende gesprochenen Segen durch die nächsten Stunden.

Natalie Hechler

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Bibelarbeit mit Margot Käßmann

Na klar. Wer hätte auch etwas anderes erwartet!? Halle 5 überfüllt – kein Zuritt mehr möglich - und das eine halbe Stunde vor Beginn der Bibelarbeit mit Margot Käßmann zum Gleichnis von der beharrlichen Witwe, die Gerechtigkeit fordert (Lukas  18,1-8). Ich war einer von  etwa 7.000 Teilnehmer/innen , die einen Platz ergattern konnten. Und was soll ich sagen? Käßmanns Bibelarbeit war nicht einfach gut, sie war ausgezeichnet, inhaltlich überzeugend, rhetorisch brillant und humorvoll. Harmoniesucht, so die Luther-Botschafterin der EKD,  bringe uns nicht weiter. Die Gesellschaft brauche Menschen, die nerven. Ohne Nervensägen keine Veränderung. Ihre zentrale Botschaft: so wie es ist, muss es nicht bleiben. Eine gerechtere Gesellschaft, eine bessere Welt ist möglich.

Berndt Biewendt

 

 

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Bundespräsident Gauck mischt mit

„Eine starke Gesellschaft. Was braucht sie? Wie sieht sie aus?“ Es war eine hochkarätige Runde, die über Menschen mit und Menschen ohne Behinderungen diskutierten. Neben Bundespräsident Joachim Gauck waren es der querschnittsgelähmte Schauspielstudent Samuel Koch (Foto Mitte und links) , die Geschäftsführerin eines Kölner Inklusionsunternehmens, Monika Labruier und der Bonner Pfarrer und Paralympics-Sieger Rainer Schmidt, der bis auf einen Daumen keine Hände, aber viel Humor hat. („Mir war früh klar, ein Handwerker werde ich wohl nicht!“) Ein Streitgespräch war es nicht. Denn alle Podiumsteilnehmer waren sich weitgehend einig. Bei der Inklusion müssten sich beide Seiten noch anstrengen. Die Gesellschaft in Deutschland sei aber ein gutes Stück vorangekommen und es gelte – wie es der Bundespräsident formulierte – auch die Barrieren in manchen Köpfen zu beseitigen. Die vielen schönen und wohlformulierten Sätze kamen mir selbst wenig konkret vor. Nach meinen Erfahrungen zeichneten sie ein zu schönes Bild von der Wirklichkeit.  

Berndt Biewendt