13.04.13 Kein IKEA-Sonntag! - Unmögliches vom unmöglichen Möbelhaus


Kleine Erfolge versüßen den freien Sonntag. Noch am Donnerstag hatte das Möbelhaus IKEA im Hessischen Rundfunk einen Werbespot für einen verkaufsoffenen Sonntag am 14. April geschaltet. Und dann das: Der IKEA-Sonntag musste abgeblasen werden.

Für das selbst ernannte „unmögliche Möbelhaus aus Schweden“ muss es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein. Erst viel Geld für Werbung ausgeben und dann den IKEA-Sonntag mit „kein verkaufsoffener Sonntag“ überkleben müssen. Das abgebildete Plakat mit der Entschuldigung stellte IKEA vor seiner Filiale in Frankfurt Nieder-Eschbach auf – notgedrungen!

Die rechtssicheren Voraussetzungen für einen verkaufsoffenen Sonntag seien nicht erfüllt, teilte der Konzern mit. Im Klartext: wer Sonntag die Läden öffnen will, benötigt dazu eine Genehmigung. Und die Genehmigung darf laut hessischem Ladenöffnungsgesetz nur erteilt werden, wenn es einen „besonderen Anlass“ wie eine Messe, einen Markt oder ein Stadtfest gibt. Und einen solchen besonderen Anlass gab es für den morgigen Sonntag offenbar nicht.

Der Vorgang in Frankfurt ist eine Ermutigung für alle Sonntagsschützer/innen genauer hinzuschauen – auch in der Region Bergstraße. Auch hier hat es immer wieder verkaufsoffene Sonntage gegeben, bei denen zumindest der Verdacht bestand, dass der „besondere Anlass“ frei erfunden wurde. Wenn etwa eine Kommune ein Energiesparfest veranstaltete, konnte man sich schon fragen, ob die Verantwortlichen noch alle Birnen in der Fassung haben oder wenn eine andere Kommune die Hamburger Marktschreier auftreten ließ, konnte man am Sonntag sogar die Fassung verlieren.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel wird sich mit der Frage befassen, was ein „besonderer Anlass“ ist, der eine Sonntagsöffnung rechtfertigt. Die Gewerkschaft ver.di hat eine entsprechende Klage eingereicht. So viel scheint sicher: das hessische Ladenöffnungsgesetz bietet keinen Freibrief, viermal im Jahr ohne konkreten Anlass den Sonntagskommerz zu ermöglichen.

Verkaufsoffene Sonntage müssen nach wie vor die Ausnahme sein und dürfen nicht zur Regel werden. Denn Sonntagschutz hat Verfassungsrang. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt.“

Übrigens ist es immer wieder eine schöne Erfahrung, den freien Sonntag mit einem Gottesdienst zu beginnen - in einer evangelischen Kirche ihrer Wahl.


Text: bet
Foto: ver.di