05.04.13 Das Sonntags-Interview Folge 9 - „Gemeinsam essen und vor allem reden“


In der Reihe „Das Sonntags-Interview“ haben die evangelischen Dekanate Bergstraße und Darmstadt-Stadt Prominente aus der Region befragt, wie sie zum freien Sonntag stehen. Wir veröffentlichen die Interviews in loser Folge. Heute das Sonntags-Interview mit dem Leiter der Lokalredaktion des „Darmstädter Echo“, Harald Pleines.

Wie sieht bei Ihnen ein ganz normaler Sonntag aus?
Ein typischer Sonntag beginnt damit, dass bei meiner Frau der Wecker klingelt. Als Mitglied des Kirchenvorstands der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Darmstadt bereitet sie die Kirche für den Gottesdienst vor und gestaltet ihn auch mit. Da die Kirchenverwaltung der EKHN am Paulusplatz immer mehr Stellen wie die eines Küsters streicht, müssen nun Ehrenämtler die Arbeit übernehmen. Wenn meine Frau um neun Uhr das Haus verlässt, kann ich noch eine Stunde schlafen, bevor ich das Frühstück  mache. Dann genießen wir das familiäre Zusammensein, weil wir beide berufstätig sind und wir unter der Woche wenig Gelegenheit haben, gemeinsam zu essen und vor allem zu reden. Manchmal sind unser Sohn und dessen Freundin auch dabei. Dann dauert das sonntägliche Frühstück mitunter Stunden.

Sie sind Journalist, müssen Sie sonntags auch mal arbeiten?
Man vergisst leicht, dass es montags eine Zeitung gibt. Die muss sonntags produziert werden. Ich habe ein bis zwei Mal im Monat Sonntagsdienst. Er dauert bis etwa 20.30 Uhr. Als ich noch in der Politikredaktion arbeitete, war erst um 23.30 Uhr Schluss.

Holen Sie sich Ausgleich für einen Sonntagsdienst?
Wir bekommen einen freien Tag dafür. Der soll in der darauffolgenden Woche genommen werden, aber das klappt nicht immer.

Macht Ihnen die Arbeit am Sonntag etwas aus?
Ganz im Gegenteil, ich genieße sie sogar. Denn erstens klingelt dann nicht das Telefon die ganze Zeit, zweitens gibt es keine internen Konferenzen. Man kann also ganz konzentriert arbeiten. Und wenn ich einen freien Tag in der Woche habe, finde ich das auch gut, denn dann mache ich Dinge, zu denen ich sonst nicht komme. Zum Beispiel Motorradfahren. Unter der Woche geht das gut im Odenwald, am Wochenende ist es dort auf den Straßen einfach zu voll und gefährlich.

Sollte es prinzipiell einen freien Tag in der Woche geben?
Das ist sinnvoll, das würde ich unterstützen. Aber eigentlich gibt es das immer weniger. Die Angebote der Dienstleistungen und Geschäfte haben sich geändert. Es liegt auch an uns Verbrauchern: Wir wollen am liebsten rund um die Uhr einkaufen, Videos ausleihen oder das Auto waschen. Angebot und Nachfrage eben.

Ist der Sonntag schützenswert?
Ja, aus der Tradition heraus. Weil er uns daran erinnert, dass es mal einen freien Tag gab. Ich selbst arbeite allerdings seit 1984 als Journalist, seitdem mache ich, wie die meisten Kollegen in der Branche, auch Sonntagsdienste.