27.03.13 "Musik ist Leben" - Die Pfeifer-Zwillinge spielen seit 75 Jahren im Posaunenchor


Die Pfeifers, das sind die Zwillingsbrüder Georg und Wilhelm Pfeifer. Sie spielen – und das dürfte Seltenheitswert haben – seit nunmehr 75 Jahren im Posaunenchor der evangelischen Gemeinde Gadernheim.

1938 - die Zwillinge waren gerade zehn Jahre alt – haben sie angefangen und sind bis heute dabei geblieben. „Es ist für uns ein ungeschriebenes Gesetz, das wir solange es geht, das fortführen, was unser Vater aufgebaut hat“, beteuern die 85jährigen. Ihr Vater war 40 Jahre lang Leiter des Posaunenchors. Von ihm haben seine Zwillingssöhne alles gelernt. Die Pfeifers sind seit jeher Autodidakten, eine Musikschule haben sie nie besucht. „Alles was wir singen können, können wir auch ohne Noten spielen“, sagen die beiden stolz.

Sie spielen Tenor- und Flügelhorn und das leidenschaftlich.  Für sie ist musizieren zu können ein Geschenk und eine Gnade Gottes und mit Musik anderen eine Freude zu  bereiten ein Dienst, den sie ausgesprochen gern erbringen. Auf die Pfeifer-Zwillinge ist Verlass. Bei Proben oder Auftritt haben sie sehr selten gefehlt. Georg musste einmal krankheitsbedingt ein halbes Jahr pausieren. „Das war schlimm für mich“, sagt er über die Zeit, in der er nicht ins Horn blasen konnte.

Die Pfeifer-Zwillinge sind bodenständige Landwirte aus dem zu Gadernheim gehörenden Ortsteil Raidelbach. In den Urlaub fahren brauchten sie nach eigenen Angaben deshalb nicht, weil es im Odenwald ohnehin am schönsten ist. So bilden die heute 85jährige den festen Stamm im Posaunenchor. Früher waren es 25 Mitglieder; heute sind es elf plus Dirigent. Es fehlt an Nachwuchs.

Doch die Pfeifers wären nicht die Pfeifers, wenn nicht zwei Söhne mit im Posaunenchor spielen würden. Der eine ist stellvertretender Chorleiter. Er tritt außerdem als Alleinunterhalter auf und hat sich in der Region als „singender Landwirt“ einen Namen gemacht.
Der Posaunenchor spielt regelmäßig bei Festen und Festtagen. „Bei den Oster-, Pfingst- und Weihnachtsgottesdiensten ist er bei uns in Gadernheim nicht wegzudenken“, sagt  Pfarrer Erwin Köber. Doch er ist immer wieder auch außerhalb der Gemeinde zu hören. So trat er dreimal bei den internationalen Trachtenfesten Heppenheim auf. 1987 war er sogar im Fernsehen zu sehen und zu hören,  als der Hessische Rundfunk das „Stadtgespräch“ aus dem benachbarten Reichenbach sendete.

Die Zwillinge sind fest entschlossen, so lange weiter zu spielen, bis es nicht mehr geht. Ihr Credo: Musik ist Leben!


Text u. Fotos: bet