22.03.13 Das Sonntags-Interview Folge 8 - „Ich finde die Einteilung ‚werktags und sonntags‘ sehr menschenfreundlich“


In der Reihe „Das Sonntags-Interview“ haben die evangelischen Dekanate Bergstraße und Darmstadt-Stadt Prominente aus der Region befragt, wie sie zum freien Sonntag stehen. Wir veröffentlichen die Interviews in loser Folge. Heute das Sonntags-Interview mit der Präsidentin  der Evangelischen Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Alexa Köhler-Offierski.

Frau Professor Köhler-Offierski, wie sieht Ihr Sonntag in der Regel aus?
Mein Sonntag fängt eigentlich am Samstagabend an. Samstag tagsüber arbeite ich erst mal im Haushalt an dem, was die Woche über liegenblieb. Abends ist dann Schluss, dann besuche ich Freunde, gehe auf Konzerte oder mache einfach nichts. Sonntagmorgens wache ich immer zur gleichen Zeit auf, frühstücke und lese, bevor ich den Gottesdienst besuche. Danach wird Tee getrunken, und die Unternehmungen können beginnen, Ausflüge, Ausstellungen, alles, was nichts mit dem Beruf zu tun hat. Beruflich wird es erst wieder Sonntagabend, dann beginne ich, mich gedanklich auf die neue Woche vorzubereiten.

Gibt es Sonntage, an denen Sie arbeiten?
Der Sonntagmorgen bleibt in der  Regel so, wie er immer ist. Natürlich kann es an einem Sonntag auch mal Termine wegen besonderer Ereignisse geben oder sogar die Notwendigkeit, Lehrveranstaltungen vorzubereiten, weil die Woche davor so voll war. Für diese Vorbereitung brauche ich Raum und Zeit, und die habe ich am Sonntag. Aber praktisch arbeite ich nie im Büro, sondern zuhause am Schreibtisch.

Ist Arbeit am Sonntag für Sie eine Belastung?
Ich entscheide ja selbst über die Arbeit am Sonntag. Je mehr Arbeit anfällt, desto mehr passe ich auf, dass die Pausen auch stimmen. Wir müssen uns die Zeit einteilen und uns Regenerationsphasen gönnen. Ich finde die Einteilung „werktags und sonntags“ sehr menschenfreundlich.

Wie wichtig ist ein freier Sonntag?
Ich halte ihn für notwendig. Auch körperlich. Ich sitze zum Beispiel viel im Büro, und dann brauche ich zum Ausgleich Bewegung. So ein freier Sonntag ist wichtig auch für die Arbeit, sowohl im Umgang mit Menschen als auch mit Sachen. Man braucht einen Freiraum, um Unerwartetes zu denken, man muss sich Anregungen aus anderen Bereichen holen können und dafür Gelegenheiten schaffen. Das kann man nicht erzwingen.

Wenn man den Sonntag wie einen Werktag behandelt und das Einkaufen erlaubt, was hätte das Ihrer Meinung nach für Folgen?
Ich stamme ja aus einer Generation, in der es noch die 6-Tage-Woche gab (Anm.d.R.: Jahrgang 1949). Und damals herrschten auch rigide Einkaufszeiten. Ich bin ja von Beruf Ärztin und bei einer 42-Stunden-Woche plus Bereitschaft war der Einkauf daneben eine logistische Herausforderung. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass man jetzt mehr Zeit zum Einkaufen hat. Aber sonntags muss es nicht sein. Ich glaube, ein gemeinsamer gesellschaftlicher Rhythmus ist wichtig. Wichtig für Familie und Freundeskreis. So ein Rhythmus ist existentieller sozialer Kitt. Man braucht den Sonntag nicht zum Einkaufen. Natürlich ist es schwer bei bestimmten Berufsgruppen, es gibt immer Menschen, die auch mal sonntags arbeiten müssen, ob bei der Bahn oder im Krankenhaus oder in der Erntezeit. Aber solche Ausnahmen dürfen nicht die Regel werden.