16.03.13 Dekanatsynode - Pfarrstellen, Kinderförderung und eine überraschende Rücktrittsankündigung


Die Umsetzung der Pfarrstellenbemessung, eine Resolution gegen das geplante hessische Kinderförderungsgesetz, ein Bericht über die übergemeindliche Spezialseelsorge im Dekanat und eine überraschende Rücktrittsankündigung. Das waren die beherrschenden Themen der Tagung der Bergsträßer Dekanatssynode in Lindenfels-Kolmach.

Die Gemeinden und Einrichtungen im Evangelischen Dekanat Bergstraße müssen künftig mit weniger Pfarrstellen auskommen. Ab dem 1. Januar 2015 werde sich die Zahl der Pfarrstellen von derzeit 45,5 auf 42,5 verringern, teilte der stellvertretende Präses Dr. Michael Wörner (Einhausen) bei der Tagung der Dekanatssynode in Lindenfels-Kolmbach mit.

Die Reduzierung um drei Stellen ist das Ergebnis der von der Landeskirche neu geregelten Pfarrstellenbemessung. Für die praktische Umsetzung sind die einzelnen Dekanate verantwortlich. Auf Vorschlag des Dekanatssynodalvorstands sollen im Dekanat Bergstraße runde Tische der einzelnen Teilregionen gebildet werden, Sie sollen eigenverantwortlich Konzepte erarbeiten, wie ihr jeweiliger Anteil an der Stellenkürzung ab 2015 aufgefangen werden kann, teilte Michael Wörner mit. Er betonte, dass unter anderem durch die Intervention des Bergsträßer und anderer Dekanate die Pfarrstellenreduzierung moderater und transparenter ausgefallen sei als zunächst geplant.  Ab dem Jahr 2020 wird sich die Zahl der Pfarrstellen dann nochmals um 2 auf dann 40,5 verringern.

Der stellvertretende Dekan Hermann Birschel (Foto rechts mit Mikrofon) appellierte an alle Verantwortlichen im Dekanat, die Stellenkürzungen gemeinsam zu schultern und zu meistern. „Die Pfarrstellenbemessung ist nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine theologische und geistliche Herausforderung“, betonte Pfarrer Birschel. Er erinnerte zu Beginn an den überraschend Tod des Einhäuser Gemeindepfarrers und Dekanatsjugendpfarrers Thomas Hoffmann und betonte: „Beim Abschiednehmen war die geistliche Weggemeinschaft unseres Dekanats deutlich zu spüren.

In seinem Bericht von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) betonte der Pfarrer der Bensheimer Stephanusgemeinde, Dr. Christian Ferber, dass vakante Pfarrstellen wegen Pfarrermangels künftig mitunter nicht mehr besetzt werden könnten. Die Landeskirche wolle deshalb verstärkt für das Theologiestudium werben.

Übergemeindlich ist die sogenannte Spezialseelsorge organisiert. Insgesamt acht Personen sind hautamtlich in der Notfallseelsorge, der Alten-, Kranken- und Hospizseelsorge sowie der Klinikseelsorge im Kreiskrankenhaus Jugenheim, dem Heilig-Geist-Hospital Bensheim, der Fachklinik in Lorsch und dem Kreiskrankenhaus Heppenheim tätig. Eine Besonderheit des Bergsträßer Dekanats ist der ambulante Hospizdienst im Weschnitztal und Überwald mit zurzeit 24 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Sieben werden derzeit ausgebildet.

Die Dekanatssynode sprach sich gegen das geplante hessische Kinderförderungsgesetz aus. Die Synode befürchtet eine schlechtere Personalbemessung, noch mehr befristete Verträge, Einsatz von fachfremdem Personal aus Spargründen sowie Einschränkungen bei den Öffnungszeiten. In der Resolution, die ohne Gegenstimme, bei zwei Enthaltungen verabschiedet wurde (Foto oben), heißt es: „Der Entwurf zum Kinderförderungsgesetz  stellt nicht das Kind in den Mittelpunkt, sondern Einsparüberlegungen und Effizienzdenken. Lieber kein neues Gesetz als eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen.“

Die Kindertagesstätten sind ein Markenzeichen des Evangelischen Dekanats Bergstraße und seinen 34 Kirchengemeinden. Am Vortag der Tagung der Dekanatssynode hatte die Trägerkonferenz der insgesamt 32 evangelischen Kitas bei einer Diskussionsrunde mit hessischen Landtagsabgeordneten das Kinderförderungsgesetz ebenfalls kritisiert. Dabei wurde am Beispiel der Kindertagesstätten in Jugenheim, Erlenbach und Birkenau aufgezeigt, dass sie unterm Strich mit weniger Erzieherinnenstellen auskommen müssen, wenn das Gesetz wie geplant verabschiedet werde.

In der Andacht zu Beginn der Synodentagung erinnerte die Lindenfelser Gemeindepfarrerin Jutta Grimm-Helbig (Foto rechts) an die Bedeutung des Sonntagsschutzes. Der Sonntag sei ein Geschenk des Himmels, das wir nicht gedankenlosausschlagen sollten. „Am Sonntag dürfen wir aufhören, etwas leisten zu müssen“.

Grußworte sprachen der Präses des Partnerkirchenkreises Eisleben-Sömmerda Heinrich Strenge sowie der Erste Stadtrat von Lindenfels Otto Schneider.

Das Beste gab es diesmal nicht zum Schluss der Tagung, wohl aber das Überraschendste. Präses Axel Rothermel kündigte seinen Rücktritt an. Er wolle nicht über die volle Wahlperiode im Amt bleiben und Ende September seinen Platz für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin frei machen.

Präses Rothermel hat sich nach eigenen Angaben dazu entschlossen, jetzt seinen Rückzug bekannt zu geben, um nicht den Eindruck zu vermitteln, er gebe sein Amt wegen des am 28. Juni zu wählenden neuen Dekans oder der neuen Dekanin auf.

Axel Rothermel will sich weiterhin ehrenamtlich in der Kirche engagieren. Neben seinem  Amt als Kirchenvorsteher in Hähnlein kann er sich vorstellen, im nächsten Jahr eine Ausbildung als Prädikant zu absolvieren und dann Gottesdienste zu leiten. „Ich möchte eine neue Aufgabe im Weinberg des Herrn übernehmen“,  so der scheidende Präses.


 
Axel Rothermel (Foto rechts bei seiner Rücktrittsankündigung) ist im Hauptberuf Abteilungsleiter bei einem Geldinstitut. 2004 wurde er zunächst Präses des damaligen Dekanats Bergstraße-Mitte, ab 2006 dann Präses des fusionierten Evangelischen Dekanats Bergstraße. Die Dekanatssynode hatte ihn  am 6. März 2009 mit deutlichem Vertrauensvotum in seinem Amt bestätigt. Er erhielt damals 100 von 105 abgegebenen Stimmen.

Die nächste Tagung am 28. Juni wird eine Sondersynode mit der Wahl des neuen Dekans oder der neuen Dekanin. Er oder sie wird die Nachfolge von Ulrike Scherf antreten, die in Darmstadt das Amt der Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten übernommen hat.

 

 

Text u. Fotos: bet