12.03.13 Das Sonntags-Interview Folge 7 - "Einkaufen? Sonntags nie!"


In der Reihe „Das Sonntags-Interview“ haben die evangelischen Dekanate Bergstraße und Darmstadt-Stadt Prominente aus der Region befragt, wie sie zum freien Sonntag stehen. Wir veröffentlichen die Interviews in loser Folge. Heute das Sonntags-Interview mit der Darmstädter Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.


Wie sieht der Sonntag einer Politikerin aus?
Nie gleich. Gerne habe ich am Sonntag frei, um gemütlich zu frühstücken und je nach Wetterlage etwas zu unternehmen: schwimmen, spazieren gehen, Freunde treffen. Aber meistens habe ich um 11 Uhr schon den ersten Termin und dann den nächsten und dann den nächsten … Am Abend des Sonntags sehen Sie mich dann oft auf dem Flughafen Frankfurt, denn am Montag beginnt die Sitzungswoche für mich als Mitglied des geschäftsführenden Fraktionsvorstandes. Eins mache ich übrigens sonntags nie: einkaufen gehen.

Warum nicht?
Weil es einen Tag in der Woche geben muss, der anders ist. Einen Tag, an dem andere Dinge dran sind als an den restlichen Tagen. So ein Break ist wichtig.

Wie halten Sie es überhaupt mit der Sonntagsarbeit?
Ich sehe das genauso wie meine Partei. Sonntagsarbeit darf nicht zur Regel werden. Natürlich gibt es Berufsgruppen, die müssen sonntags arbeiten, wie Ärzte oder Polizisten, wo zumindest ein Bereitschaftsdienst sein muss. Aber der Einzelhandel und Dienstleistungsberufe sollten sonntags nicht arbeiten.

Was macht die Sonntagsarbeit denn mit Ihnen?
Ich empfinde es als anstrengend, wenn ich keinen freien Tag über längere Zeit habe. Aber natürlich habe ich als Politikerin am Wochenende auch oft schöne Termine. Zum Beispiel sonntags einen Jazz-Frühschoppen. Da muss ich vielleicht eine kleine Rede halten, die nicht viel Vorbereitung braucht und komme mit netten Leuten zusammen. Oft sind es auch Termine, zu denen man vielleicht sogar privat hingegangen wäre. Meine Sonntagsarbeit ist also anders, als wenn jemand am Fließband arbeitet.

Wie würde Ihr idealer Sonntag aussehen?
Alles, was gleichförmig ist, ist nicht mehr ideal. Deshalb gibt es keinen idealen Sonntag für mich. Das Schöne ist die Abwechslung. Aber ein ausgiebiges Frühstück würde schon dazu gehören. In die Kirche gehe ich allerdings in der Regel nicht.

Der Sonntagsschutz steht im Grundgesetz.  Ist das noch zeitgemäß?
Der Passus ist noch zeitgemäß, natürlich. Weil jeder Mensch einen Tag braucht, an dem er etwas anderes macht als an den anderen Tagen, ob spirituell oder körperlich, sportlich oder was auch immer.

 

Hinweis: Die Sonntags-Interviews können auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die gegen eine kleine Spende abgegeben wird. Sie ist erhältlich im Haus der Kirche, Heppenheim, Ludwigstr. 13, Tel.: 06252/673331; E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de