07.03.13 Armut nachhaltig bekämpfen - Stellungnahme zum Armutsbericht der Bundesregierung


Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat dazu aufgerufen, nachhaltig und entschlossen Armut und Ausgrenzung zu bekämpfen. Der neue Armutsbericht der Bundesregierung dürfe nicht folgenlos bleiben, forderte Präses Axel Rothermel.

Armut schaffe man nicht dadurch aus der Welt, indem man auf die relativ gute Stellung Deutschlands im internationalen Vergleich verweise. „Wir haben vielfältige Formen von Armut vor der eigenen Haustür. Das hat unserer Symposium gegen Armut und Ausgrenzung im vergangenen Herbst sehr deutlich gemacht“, betonte Präses Rothermel. 

Er verwies zugleich auf die Dekanatssynode, die in einer Resolution mit dem Titel "Umsteuern jetzt!" einen neuen sozialen Ausgleich gefordert hatte. Darin heißt es wörtlich: „Wir treten dafür ein, dass jeder Mensch in Würde leben und unabhängig vom Einkommen in vollem Umfang am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilhaben kann. Das kostet Geld und ist nicht zum Nulltarif zu haben. Wir appellieren an die Bundesregierung, umzusteuern – auch und gerade in der Steuerpolitik.“ Wenn nach dem neuen Armutsbericht die reichsten 10 Prozent der Haushalte über 53 Prozent des Nettovermögens verfügen, dann sei es notwendig bei der Armutsbekämpfung auch den Reichtum in den Blick zu nehmen, sagte Axel Rothermel.

Nach Ansicht des Präses besteht die Gefahr, dass nach der kontroversen  Diskussion über den Armutsbericht das Thema wieder schnell aus den Schlagzeilen verschwinde. „Der Kampf gegen Armut ist eine Daueraufgabe. Er muss nachhaltig geführt werden. Das gilt auch und gerade für Christen. Jeder kann etwas dafür tun, dass Menschen in Würde leben können.“

Bei dem Symposium, das das Evangelische Dekanat und die Katholischen Dekanate Bergstraße zwei Jahre nach der gemeinsamen "Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung" veranstaltet hatten, wurden für die Region Bergstraße unter anderem verbilligte Sozialtickets für den ÖPNV oder die Gründung einer Kulturloge angeregt. In etlichen Kommunen gibt es bereits eine solche Einrichtung, die nicht verkaufte Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an Menschen mit wenig Geld vermittelt.

Das Evangelische Dekanat ermöglicht mit dem Projekt „Ohne Moos was los“ Kindern und Jugendlichen aus finanzschwachen Familien die Teilnahme an Ferienfreizeiten. „Wir möchten damit auch einen  Anstoß geben für Begegnungsfahrten oder Bildungsreisen anderer Träger und Veranstalter in der Region, die auch ohne Moos was los machen können. Das muss ja nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt bleiben“, so Präses Rothermel, der an die Überschrift der Heppenheimer Erklärung erinnerte: „Mehr Mut und Phantasie für Gerechtigkeit“.

Foto: die Lebensmittelausgabe bei der Tafel in Rimbach - ein Gradmesser für die Armutsentwicklung
Text u. Foto: bet