28.02.13 "Gelebte Ökumene" - Studienfahrt zur Basler Fasnacht


Es ist 3.45 Uhr in der Früh, als sich 13 noch sichtlich müde Heppenheimer/innen mit tausenden anderen Fasnachtsbegeisterten in den engen Gassen an die Häuserwände der Basler Innenstadt drücken. Punkt vier Uhr – die Stadt liegt in gespenstischem Dunkel – ein Ruf ertönt: „Morgestraich, vorwärts marsch!“  und annähernd 18.000 maskierte Akteure setzten sich im selben Augenblick an den unterschiedlichsten Plätzen mit Ihren bis zu vier Meter hohen Motivlaternen drommelnd und Piccoloflöten pfeifend in Bewegung.

Dass es in Basel und Umgebung erst eine Woche später mit dem ausgelassenen Fasnachtstreiben losgeht, wenn andernorts die „Häs“ schon wieder in den Schränken auf die nächste närrische Saison warten, hat nichts mit einer reformatorischen Ablehnung der katholischen gregorianischen Kalenderreform zu tun. Der Grund liegt vielmehr in uralten, bis ins 11. Jahrhundert zurückreichenden Meinungsverschiedenheiten über den Beginn und die Länge der Fastenzeit. Ursprünglich nämlich betrug die Länge exakt 40 Tage. Nachdem man im 11. Jahrhundert die Sonntage als kleine Auferstehungsgedenktage aus der Fastentage-Zählung herausgenommen hatte, verlängerte sich die Zeit von 40 Tagen kalendarisch nach vorn. In bestimmten Regionen jedoch behielt man die alte Regelung bei, so auch im Gebiet von Basel, wo man damit auch an der "alten" Fastnacht festhielt.

„Die drey scheenschte Dääg“ – wie die Basler Ihre Fasnacht liebvoll nennen – sollten auch für die Heppenheimer Teilnehmer der vom Evangelischen Dekanat Bergstraße und dem Katholischen Bildungswerk gemeinsam organisierten Freizeit unvergessliche Tage werden.
Schon am Tag der Anreise, einen Tag vor Beginn der Basler Fasnacht, stand mit dem Besuch des Liestaler Chienbäsezugs das erste Highlight der Fahrt auf dem Programm. Bis zu 100 kg schwer sind die „Besen“, die von ihren Trägern brennend durch die Liestaler Altstadt und das historische Stadttor getragen wurden. Höhepunkte des Umzugs waren die etwa 20 Feuerwagen – eiserne Wagen, die mit mehreren Tonnen brennenden Holzes beladen sind. Wer da in der ersten Reihe stand, dem konnte es schon gelegentlich sehr warm ums Herz werden.

Anders als beim rheinischen Karneval ist dem Besucher der Allemannischen und Basler Fasnacht die eigene Maskerade untersagt. Dennoch ließ sich die Heppenheimer Gruppe, geführt von Birgit Geimer und Dr. Frank Meesen, von der Begeisterung der patrouillierenden Musikgruppen und Maskenträger nachhaltig anstecken.

Doch auch wenn die traditionelle „Mehlsuppe“ des Basler Morgenstreichs auch weiterhin sicherlich nicht die südhessische Küche bereichern wird, so feierte nach diesen eindrücklichen Tagen in der Schweiz der ein oder andere (nicht katholische) Freizeitteilnehmer dennoch sein persönliches Comingout als bekennender Fasnachter. Die Fasnacht als Ausdruck gelebter Ökumene – wer einmal zur Fasnacht in Basel war, wird nie wieder daran zweifeln.

Text u. Fotos: Annette Siegel