17.02.13 Abschied von einem fröhlichen Menschen - Trauerfeier für Pfarrer Thomas Hoffmann


Bei einer bewegenden Trauerfeier haben die Gemeinde Einhausen sowie Verwandte, Freunde und Weggefährten aus dem Evangelischen Dekanat Bergstraße heute Abschied vom verstorbenen Pfarrer Thomas Hoffmann genommen.

Die Anteilnahme war so groß, dass die evangelische Kirche in Einhausen völlig überfüllt war. Die Trauerfeier wurde per Lautsprecher in einen angrenzenden Gemeinderaum sowie ins Freie übertragen. Die Straße wurde für den Verkehr gesperrt.

„Dies war das Wohnzimmer seines Glaubens“, sagte er stellvertretende Dekan Hermann Birschel über die evangelische Kirche von Einhausen, in der Thomas Hoffmann fast 18 Jahre Gottesdienste feierte. Er wollte aus Platzgründen niemals in eine andere Kirche oder ein anderes Gebäude umzuziehen. „Viele haben durch ihn Gottes Nähe gespürt. Diese Zuwendung reichte tief und konnte Gräben überwinden“,  sagte Hermann Birschel über den verstorbenen Pfarrer, der auch nicht gewollt hätte , dass jemand diese Kirche ungetröstet verlasse. Thomas Hoffmann war an einer Grippe erkrankt und vergangene Woche überraschend im Alter von 51 Jahren gestorben.

Die frühere Bergsträßer Dekanin und jetzige stellvertretender Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf, die gemeinsam mit Thomas Hoffmann studiert hatte, zeichnete seine berufliche Entwicklung nach – von der Ausbildung zum Krankenhilfepfleger über das Studium der Evangelischen Theologie in Neuendettelsau und Heidelberg bis zu seinem Vikariat in Auerbach und seiner Ordination zum Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Als Gemeindepfarrer habe er nicht in erster Linie am eigenen Kirchturm gebaut, sondern am Reich Gottes. „Diese weite Perspektive hat ihn ausgezeichnet und so war er im besten Sinne ein Netzwerkbauer an diesem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit“, so Ulrike Scherf.

Pfarrer Hans Joachim Greifenstein aus dem benachbarten Schwanheim, der in den vergangenen Jahren eng mit Thomas Hoffmann zusammengearbeitet hatte, erinnerte an einem „fröhlichen Menschen“, der uns allen gut getan habe. „Er war glücklich und authentisch. Er war ein frommer Kerl, der daran glaubte, wovon er redete“, so Pfarrer Greifenstein, der vorläufig die Vakanzvertretung in Einhausen übernommen hat.

Die Trauerfeier begleitete Gisela Herting an der Orgel, die mit Thomas Hoffmann während seines Vikariats in der Gemeinde Auerbach zusammengearbeitet hatte. Bei seinem Abschied damals hatte sie ihn gebeten, im Falle ihres Todes die Bestattung zu übernehmen. Thomas Hoffmann sicherte dies zu, betonte aber, falls er zuerst aus dem Leben scheide, solle sie bei der Trauerfeier die Orgel spielen. Gisela Herting wählte den Bach-Choral „Meine Augen schließ ich jetzt“.

An der Trauerfeier nahmen auch zahlreiche Pfarrerinnen und Pfarrer aus anderen Gemeinden im Dekanat Bergstraße sowie Mitglieder der Notfallseelsorge teil, für die sich Thomas Hoffmann ehrenamtlich engagiert hatte. Dabei wurde deutlich, dass sein plötzlicher Tod auch für viele junge Menschen ein großer Verlust ist.

Als Dekanatsjugendpfarrer war Thomas Hoffman – wie es sein früherer Mitarbeiter Henry Spielhoff formulierte - „Lichtanzünder, Brückenbauer und Kreisezieher“, der vielen jungen Menschen einen Zugang zum Glauben ermöglicht hatte. Vom Kreis der Teamer  in der Konfirmanden- und Jugendarbeit  beschrieben Mareike Siegloch und Tobias Knauf ihn als „großes Vorbild“. Das Wirken des verstorbenen Pfarrers begreift  die Evangelische Jugendvertretung im Dekanat (EJVD) als Vermächtnis. „Wir hoffen, dass wir anderen die Freude am Glauben so vermitteln können, wie er es getan hat", sagte Jennifer Böhm, die den Nachruf ihrer EJVD-Kollegin Natalie Hechler verlas.

In weiteren Nachrufen unter anderem von Michael Wörner für den Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Einhausen, von Einhausens Bürgermeister Philipp Bohrer, dem katholischen Pfarrer Klaus Josef Rein, Bruder Wolfgang Novak von der franziskanischen Gemeinschaft Pace e Bene, Joachim Vogt vom TSV Auerbach, wo Thomas Hoffmann Volleyball spielte und Albert Wiedmann, dem Mitbegründer der Jugendarbeit in Einhausen, wurden die Fröhlichkeit, die Freundlichkeit und das große Engagement von Thomas Hoffmann gewürdigt, den viele als den Pfarrer mit der Gitarre in Erinnerung behalten werden. Natalie Hoffmann nutzte ihren Nachruf auf ihren so plötzlich verstorbenen Vater zu einem bemerkenswerten Appell: „Wir sollten innehalten und schauen, was uns wirklich wichtig ist. Und wir sollten dankbar sein für die Menschen, die wir um uns haben.“

Thomas Hoffmann wird am kommenden Dienstag in seinem Heimatort Brandau im Familienkreis beigesetzt.

 

Foto: Gedenken an den verstorbenen Gemeindepfarrer in der ev. Kirche von Einhausen
Text u. Foto: bet