15.02.13 Das Sonntags-Interview Folge 4 - Wenn Sonntagsarbeit zur Regel wird, ist die Politik gefordert


In der Reihe „Das Sonntags-Interview“ haben die evangelischen Dekanate Bergstraße und Darmstadt-Stadt Prominente aus der Region befragt: Wie stehen sie zum freien Sonntag, was halten sie von Sonntagsarbeit und wie verbringen sie ihren Sonntag. Wir veröffentlichen die Interviews in loser Folge. Heute das Sonntags-Interview mit der Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht.

Was haben Sie am letzten Sonntag gemacht?
Ich war auf einer Veranstaltung eines Geflügelzuchtvereins* in meinem Wahlkreis. Ich wollte mit meinem Besuch auch die Arbeit anerkennen, die der Verein für Kinder und Jugendliche leistet. Sie können dort den Umgang mit Tieren lernen. Danach hatte ich Zeit für mich und für meine Eltern. Der Sonntag ist schon anders.

Inwiefern unterscheidet sich der Sonntag für Sie von anderen Tagen?
Der Sonntag ist deutlich ruhiger. Dadurch kann auch ich ein bisschen zur Ruhe kommen.

Könnten Sie als Politikerin nicht grundsätzlich sagen, sonntags mache ich keine Termine. Oder ist die Vorstellung von einem politikfreien Sonntag weltfremd?
Ja, das ist es schon. Viele Veranstaltungen sind sonntags. Wenn ich zum Beispiel gebeten werde, am Volkstrauertag eine Rede zu halten, dann kann und will ich mich dem nicht entziehen. Diese Termine unterscheiden sich aber vom Politikbetrieb in Berlin. Sie haben nicht so sehr den Charakter von Arbeit. Ich nutze diese Termine vor allem, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Viele klagen über die 7-Tage-rund- um-die Uhr-Gesellschaft. Sollte der freie Sonntag besser geschützt werden?
Ja, Sonntagsarbeit darf nicht überhand nehmen, sondern muss die Ausnahme bleiben. Bei der Polizei, den Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen geht es nicht ohne Sonntagsarbeit, aber sie darf auf keinen Fall zur Regel werden. Da ist auch die Politik gefordert.

Gibt es für Sie einen idealen Sonntag? So wie er sein sollte?
Nein, eine Vorstellung von einem Idealsonntag habe ich nicht. Sonntag möchte ich mehr Freiraum und freie Zeit. Wochentags ist mein Terminkalender eng getaktet. Aber ich empfinde es nicht als negativ, wenn ich sonntags unterwegs bin. Doch den Satz „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“, den kann ich ohne zu zögern  unterschreiben.

* „Gockel geben alles“, titelte der Südhessen Morgen über die Veranstaltung in Biblis, die auch ihr Bergsträßer CDU-Abgeordnetenkollege Dr. Michael Meister besucht hatte. Das ist kein Zufall. Bei solchen Sontags-Terminen will kein(e) Abgeordnete(r) das Feld dem politischen Konkurrenten allein überlassen.

Foto: Christine Lambrecht ist stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Sie wohnt in Viernheim.

Hinweis: Die Sonntags-Interviews können auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die gegen eine kleine Spende abgegeben wird. Den ersten 100 Exemplaren ist die CD „Mein Sonntag“ des Pfarrers und Liedermachers Clemens Bittlinger beigefügt. Die Broschüre ist erhältlich im Haus der Kirche, Heppenheim, Ludwigstr. 13, Tel.: 06252/673331; E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de