08.02.13 Das Sonntags-Interview Folge 3 - "Sonntag ist der Tag, an dem man sich Zeit füreinander nehmen kann"


In der Reihe „Das Sonntags-Interview“ haben die evangelischen Dekanate Bergstraße und Darmstadt-Stadt Prominente aus der Region befragt: Wie stehen sie zum freien Sonntag, was halten sie von Sonntagsarbeit und wie verbringen sie ihren Sonntag. Wir veröffentlichen die Interviews in loser Reihenfolge. Heute das Sonntags-Interview mit dem Oberbürgermeister von Darmstadt, Jochen Partsch.

Herr Partsch, wie sieht für Sie in idealer Sonntag aus?
Ein idealer Sonntag beginnt sehr spät, mit Kaffee trinken, mich unterhalten, FAZ am Sonntag lesen und dass meine Frau und ich danach irgendwann einen Spaziergang machen, meistens im Ostwald, häufig am Oberfeld. Keinerlei Termine, keine Anrufe, sondern Zeit für meine Frau, vielleicht auch für den Enkel.

Ich nehme an, davon gibt es nicht viele. An wie vielen Sonntagen müssen Sie arbeiten und was bedeutet das für Sie?
Zwei Drittel der Sonntage sind mit Terminen belegt. Die Woche wird dann länger. Es fehlen die Zeiten zur Ruhe, zum Auftanken, zum Entspannen.

Wie halten Sie es überhaupt mit der Einstellung zum arbeitsfreien Sonntag? Sollte man doch zum Wohle der Wirtschaft alle Tage für die Arbeit freigeben?
Die großen Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs und der ökonomischen Prosperität waren auch Zeiten, in denen es arbeitsfreie Sonntage gegeben hat. Die Propheten der Deregulierung von Ökonomie und Arbeitswelt sind nicht unbedingt die, die eine Verbesserung des allgemeinen Wohlstands für alle Bevölkerungsschichten im Sinn haben, sondern da geht es um die Verbesserung von Verwertungsbedingungen. Ich bin da absolut altmodisch. Ich halte es für eine normative Anforderung an unsere Wirtschaftsordnung, dass wir arbeitsfreie Zeiten und Regeln brauchen. Das halte ich für absolut notwendig. Ich bin dafür, dass eine 5-Tage-Woche, Begrenzung der Arbeitszeit, Arbeitsschutzregeln erhalten bleiben. 

Sollte tatsächlich der Sonntag arbeitsfrei und geschützt bleiben oder könnte man nicht willkürlich jedem irgendeinen Tag in der Woche freigeben?
Ich bin der Meinung, dass es der Sonntag sein sollte. Das hat nicht nur etwas mit Tradition zu tun. Der freie Sonntag ist der Tag, an dem sich Familie, Freunde treffen können. Das ist der Tag, wo man sich Zeit füreinander nehmen kann. Um es mit Hannah Arendt zu sagen: Vita activa und vita contemplativa in Balance zu halten.

Als OB sind Sie auch Vorsitzender von Darmstadt Citymarketing, und damit entscheiden Sie mit über verkaufsoffene Sonntage. Was macht das mit Ihnen ? Drei gab es davon 2012 in Darmstadt…
Das ist natürlich ein Kompromiss. Als Politiker muss ich immer wieder Kompromisse eingehen zwischen verschiedenen Anforderungen. Ich bin nicht dafür, dass man diese verkaufsoffenen Sonntage ausweitet. Ich bin auch insgesamt nicht der Meinung, dass möglichst viel Rummel für die Innenstadt möglichst viel Geschäft erzeugt. Es ist doch so, dass viele Leute Ruhe und Zeit wollen, um einkaufen zu gehen, um auch die Innenstadt zu genießen. Da gibt es durchaus unterschiedliche Rückmeldungen, auch hinsichtlich verschiedener Feste und Veranstaltungen.



Hinweis: Die Sonntags- Interviews können auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die gegen eine kleine Spende abgegeben wird. Den ersten 100 Exemplaren ist die CD „Mein Sonntag“ des Pfarrers und Liedermachers Clemens Bittlinger beigefügt. Die Broschüre ist erhältlich im Haus der Kirche, Heppenheim, Ludwigstr. 13, Tel.: 06252/673331; E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de