06.02.13 Streit um Kinderförderungsgesetz - Qualität der Kinderbetreuung steht auf dem Spiel


Der Bergsträßer CDU-Landtagsabgeordnete Peter Stephan war zu Gast in der evangelischen Kindertagesstätte (KiTa) „Zum guten Hirten“ in Birkenau. Hintergrund seines Besuches ist der Gesetzentwurf zum Hessischen Kinderförderungsgesetz, der immer mehr in die Kritik gerät.

Einig sind sich die Elternvertreterinnen Dr. Nicole Metzger, Dr. Rosana Ferrari, Kitaleiterin Regina Kahl und Pfarrvikar Markus Eichler als Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Birkenau, die Trägerin der KiTa ist: Das Gesetzesvorhaben bedarf dringender Anpassungen und Änderungen. Andernfalls seien erhebliche Einschnitte in der Qualität und Betreuung von Kindern zu erwarten. Gemeinsam mit dem kirchlichen KiTa-Fachberater Jürgen Markmann brachten sie gegenüber  Peter Stephan ihre Einwände zum geplanten Kinderförderungsgesetz vor.

Nach einer kurzen Führung durch das Haus, in der Peter Stephan einen Einblick in die pädagogische Arbeit vor Ort nehmen konnte, ging es im anschließenden Gespräch vor allem um die geplante Neuberechnung des Personalschlüssels. Er soll künftig nicht mehr pauschal nach den Gruppen berechnet werden, sondern jährlich neu nach den tatsächlich betreuten Kindern zum geplanten Stichtag 01. März. Als nicht nachvollziehbar betrachtet die evangelische Gemeinde, dass für die Berechnung des Personalschlüssels  Kinder mit einer Behinderung künftig kein Kriterium mehr sein sollen. Anstoß nimmt die Kirchengemeinde auch daran, dass aufgrund des Mangels an ausgebildeten Erzieher/innen künftig „fachfremde“ Mitarbeiter/innen eingestellt werden sollen.

Zu den weiteren Kritikpunkten gehört die fehlende Berücksichtigung von Leitungstätigkeit sowie von wichtigen Arbeiten der Erzieher/Innen bei der Vorbereitung, bei Elterngespräche oder den Kooperationen mit Schulen und anderen Einrichtungen. Diese Punkte würden alle Kitas hart treffen, denn das Betreuungsangebot müsste dann unweigerlich eingeschränkt werden, kritisiert die evangelische Gemeinde. Außerdem drohten aufgrund der Neuberechnung des Personalschlüssels Personalkürzungen und damit auch eine Reduzierung der Öffnungszeiten.
Nach einer jüngst durchgeführten Umfrage wünschen sich die meisten Eltern in Birkenau erweiterte Öffnungszeiten der KiTa. Dies würde mit dem Gesetzesvorhaben praktisch unmöglich werden. Außerdem gefährde das Gesetz in der jetzigen Form die guten Bildungsstandards, die in den vergangenen Jahren eingeführt wurden, betonten die Elternvertreterinnen ebenso wie die KiTa-Leitung und die Kirchengemeinde.

Stephan, der im Landtagsausschuss für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie im Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung tätig ist, versicherte, dass er seine Eindrücke vom KiTa-Besuch  und die Argumente der Birkenauer in den zuständigen Ausschuss einbringen wolle. KiTa-Leitung, Träger und Elternvertreterinnen hoffen darauf, dass der vorgelegte Gesetzentwurf nicht das letzte Wort sein werde.

Auch andere Kirchengemeinden im Dekanat Bergstraße protestieren gegen das geplante Kinderförderungsgesetz. Die evangelische Gemeinde Zotzenbach wendete sich mit einem Offenen Brief an Ministerpräsident Bouffier und schrieb zudem alle hessischen Landtagsabgeordneten an. Darüber berichtete der Hessische Rundfunk in einem auf  hr 4 ausgestrahlten Hörfunkbeitrag, den wir an dieser Stelle dokumentieren. Zum Nachhören klicken Sie bitte hier

 

Foto:  MdL Peter Stephan, Pfarrvikar Markus Eichler, Kitaleiterin Regina Kahl, Vorsitzende des Kita-Ausschuss Dr. Nicole Metzger und Dr. Rosana Ferrari
Text u. Foto: Ev. Gemeinde Birkenau / Red