29.01.13 Aufstehen gegen Rechtsextremismus - "Wir sind es den Opfern schuldig"


 „Wehret den Anfängen“ ist ein im Zusammenhang mit dem Thema Rechtsextremismus sehr häufig gebrauchtes Zitat. „Es ist völlig falsch“, sagte Holger Giebel vom Vorsitzendenteam des Bergsträßer Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei der von der Bildungsgewerkschaft organisierten Veranstaltung anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus am Stolperstein-Mahnmal in Bensheim. „Es gibt gar keine Anfänge, denn tatsächlich hat es in Deutschland nie aufgehört. Wir sind mittendrin.“

Zahlreiche weitere Vertreter von Vereinen, Kirche und Politik sowie etliche Bürger aus dem gesamten Kreisgebiet nahmen an der Gedenkveranstaltung teil, um auf diese Weise deutlich zu machen, dass dem rechten Rand kein Freiraum gewährt werden darf.

Giebel gab seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass sich nach Bekanntwerden der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) praktisch nichts geändert habe. Stattdessen würden Vereinigungen, die gegen Rechtsextremismus aufstehen, mit der „Gesinnungsprüfung“ unter einen „absurden Generalverdacht der möglichen Verfassungsgegnerschaft“ gestellt und die Mittel für den Kampf gegen Rechts nicht aufgestockt.  „Dass Rechtsextremismus kein Phänomen der östlichen Bundesländer ist, dies wurde und wird auch in unserer Region deutlich. Zuletzt im Fürther Ortsteil Erlenbach, wo ein Neonazi-Treffen stattfand, das glücklicherweise schnell aufgelöst wurde“, so Giebel.

Auch Manfred Forell von der Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit unterstrich, dass von braunen „Anfängen“ längst nicht mehr gesprochen werden könne und verdeutlichte dies anhand etlicher, sehr nachdenklich stimmender Beispiele. „Wir sind es den Opfern des Nationalsozialismus und rechter Gewalt schuldig, dass wir endlich aus unseren Schaukelstühlen aufstehen“, rief Forell zu einem breiten Engagement gegen Rechts auf.

Barbara Köderitz vom Evangelischen Dekanat Bergstraße verlas in Vertretung ein Grußwort von Dekanin Ulrike Scherf. Darin wurde bedauert, dass es nach den NSU-Morden trotz aller Ankündigungen nie eine breite Aufarbeitung gegeben habe. Stattdessen sei die Verantwortung von der einen zur anderen Behörde weitergegeben worden. Sie erinnerte zudem an die Resolution der Dekanatssynode gegen Rechtsextremismus, in der es wörtlich heißt:

„Wir unterstützen den Protest gegen Rechtsextremismus und wir unterstützen alle zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Initiativen, die sich für Demokratie und Menschenwürde einsetzen. Wir danken allen, die sich in diesem Sinne bereits bisher engagiert haben. Wir ermutigen Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen zur Zivilcourage und zu Projekten gegen Rassismus und Antisemitismus. Wir sind gewiss: Auf Gewalt ruht kein Segen.“

Peter Kalb von der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger unterstrich die Bedeutung, sich der Vorkommnisse der Vergangenheit zu erinnern und gleichsam den Neonazis heute entschlossen entgegenzutreten. Dabei brachte er die Botschaft in Richtung der Personen mit braun getünchtem Gedankengut in einem Satz auf den Punkt: „Nazis raus aus dieser Stadt.“

Angelika Köster-Lossack vom Synagogenverein Auerbach und der Grünen Liste Bensheim berichtete von persönlichen Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden, die für sie ein Ansporn gewesen seien, sich gegen Rechts einzusetzen.

Franz Beiwinkel vom DGB Bergstraße erinnerte an eine Gruppe, die oftmals in Vergessenheit gerät: die 12 Millionen Zwangsarbeiter im Dritten Reich, die häufig unter unmenschlichen Bedingungen und komplett rechtlos ihrer Tätigkeit nachkommen mussten.

Text GEW / Red
Foto: GEW