28.01.13 "Mit Herz und Verstand für die Menschen" - Verabschiedung von Dekanin Ulrike Scherf


„Die gute Zusammenarbeit war mir ein ganz besonderer Schatz.“ Das sagte Pfarrerin Ulrike Scherf in ihrer letzten Predigt als Dekanin des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Am 1. Februar übernimmt die 48jährige als Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten das zweithöchste Amt in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Beim Gottesdienst in der Heppenheimer Christuskirche dankte die scheidende Dekanin den Haupt- und Ehrenamtlichen im Dekanat, in den Kirchengemeinden und den verschiedenen Einrichtungen. Zur Kooperation mit der katholischen Kirche an der Bergstraße sagte sie: „Manchmal wurde hier schmunzelnd vom ‚ökumenischen Himmel auf Erden‘ gesprochen.“

In ihrer Abschiedspredigt streifte Ulrike Scherf die gesellschaftlichen Themen, für die sie sich besonders eingesetzt hatte. “Niemand kann und muss sich sein Daseinsrecht verdienen – der Sonntag als Ruhetag steht dafür. Das Leben ist gesegnet, das gilt für alle Menschen. Deshalb dürfen uns die Menschen, die von Armut betroffen sind, Asyl suchen oder durch rechtsextremistische Worte und Taten bedroht sind, nicht egal sein“, betonte Ulrike Scherf in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus den evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat, der katholischen Kirche sowie aus Politik und Gesellschaft. Auch der Präses der Kirchensynode der EKHN, Dr. Ulrich Oelschläger war zur Verabschiedung der Dekanin gekommen.

Die Starkenburger Pröpstin Karin Held lobte die gesellschaftspolitischen Impulse der Dekanin. „Sie ist keine Zahlenverwalterin. Für sie stehen die Menschen im Mittelpunkt“, sagte die Pröpstin, bevor sie Ulrike Scherf von ihren Aufgaben als Dekanin – wie es im Kirchenrecht heißt – entpflichtete. Der neuen Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, so Karin Held,  sehe sie mit „zuversichtlicher Gespanntheit oder gespannter Zuversicht“ entgegen. Denn zum 1. Februar findet ein Rollentausch statt. Ulrike Scherf wird formell Dienstvorgesetzte der Pröpstin.

In ihrem Grußwort hob die Leiterin des Diakonischen Werks Bergstraße, Brigitte Walz-Kelbel, das diakonische Engagement der Dekanin hervor. Sie habe insbesondere die Tafel in Rimbach intensiv gefördert. Der von ihr mitinitiierte Unterstützerkreis, die so genannte Tafelrunde, helfe Menschen in Armut „eine Runde weiter“.

Für die katholischen Dekanate  würdigte der stellvertretende Dekan Thomas Meurer das „gute ökumenische Miteinander“ und insbesondere  das Engagement von Ulrike Scherf für den Sonntagsschutz und gegen Armut in der Region. Die Gründung der ökumenischen Notfallseelsorge bezeichnete er als „das Glanzstück“ der Dekanin.

Der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes, dankte der Dekanin im Namen aller hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mandatsträger im Landkreis Bergstraße. Auch er betonte ihr gesellschaftliches Engagement gegen Armut und für den Schutz des freien Sonntags.

„Du warst mit Herz und Verstand, mit Leib und Seele für die Menschen da“, betonte Pfarrerin Barbara Tarnow, die  für die Pfarrerinnen und Pfarrer im Dekanat sowie für die Mitarbeitenden im Haus der Kirche das Grußwort sprach. „Die Erfahrungen mit ihr stimmen uns hoffnungsvoll für die Entwicklung der Gesamtkirche“, so Pfarrerin Tarnow.

Der Präses des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Axel Rothermel, meinte, Ulrike Scherf habe die Wahrnehmung des Evangelischen Dekanats in der Öffentlichkeit maßgeblich geprägt. Es sei ihr Verdienst, dass die Dekanatssynode richtungsweisende Entscheidungen getroffen habe. Im Anschluss an den Gottesdienst, an dem neben den Kirchenmusikern Konja Voll (Orgel) und Monika Hölzle-Wiesen (Blockflöte) auch ein „Spontanchor“ des Dekanats mitwirkte, lud das Evangelische Dekanat die rund 300 Gäste zu einem Empfang ein.

Über die Nachfolge von Ulrike Scherf wird voraussichtlich Mitte des Jahres eine Sondersynode entscheiden. Ab dem 1. Februar wird der stellvertretende Dekan, Hermann Birschel, das Dekanat übergangsweise leiten.

 

Foto von links n. rechts: Michael Wörner (stellvertr.Präses), Thomas Meurer (stellvertr.Dekan des katholischen Dekanats Bergstraße-Mitte), Brigitte Walz-Kelbel (Leiterin Diakonisches Werk Bergstraße), Pröpstin Karin Held, Landrat Matthias Wilkes, Ulrike Scherf, Axel Rothermel (Präses)
Text u. Foto: bet