24.01.13 Ablösefrei - Die EKHN wird auf Vorderfrau gebracht


Am kommenden Sonntag (27. Januar) wird Ulrike Scherf als Dekanin im Evangelischen Dekanat Bergstraße feierlich verabschiedet. Sie wechselt als neue Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten – das muss ausdrücklich betont werden – „ablösefrei“ von Heppenheim nach Darmstadt. Sie will dort nach eigenen Angaben die „zweite Geige“ spielen.

Angesichts der tiefgreifenden, in den konkreten Folgen noch gar nicht absehbaren personellen Veränderung hatten die Mitarbeitenden im Heppenheimer Haus der Kirche eine sehr bescheidene Forderung erhoben. Sie verlangten von der Landeskirche eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro. Die Antwort der ersten Geige am Paulus-Platz kam prompt. Kirchenpräsident Volker Jung schrieb:

„Sie können sich denken, dass ich mich sehr auf die Zusammenarbeit  mit Ulrike Scherf freue. Erstaunt war ich allerdings ein wenig über ihre Forderung von 15 Millionen als Ablösesumme für Ulrike Scherf. Wenn ich bedenke, dass der FC Bayern für Javier Martinez 40 Millionen zahlte, so ist ihre Forderung viel zu gering veranschlagt. Allerdings muss ich nun auch sagen, dass wir uns vermutlich nicht einigen können, denn ich bin fest überzeugt: Ulrike Scherf ist unbezahlbar.“

So ist das also: „unbezahlbar“ ist für unseren Kirchenpräsidenten das Synonym für: „Wir geben nix.“ Und dann dieser Vergleich mit einem spanischen Fußball-Legionär! Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Herr Martinez kickt im defensiven Mittelfeld. Frau Scherf (siehe z.B. Sonntagsschutz) ist Flügelstürmerin. Die Mitarbeitenden im Haus der Kirche wollten in gesamtkirchlicher Verantwortung die Kasse der Landeskirche nicht über Gebühr strapazieren. Doch der Fall macht einmal mehr deutlich: Bescheidenheit zahlt sich nicht aus. Sie hätten 50 Millionen fordern sollen. Klar ist aber auch: Auf dem Rechtsweg ist nichts mehr zu machen. Denn es gilt der Grundsatz: „Pacta sunt servanda“!  Zu Deutsch: Volker schafft Fakten!

Fakten hat der Kirchenpräsident auch dadurch geschaffen, indem er die im Grunde knallharte Zurückweisung der geforderten Ablösesumme geschickt verpackte – inmitten eines großen Paketes voller Tüten mit Lebkuchen (von denen der Verfasser dieser Zeilen bis heute übrigens keinen einzigen Krümel abbekommen hat. Das nur nebenbei!)  Das nennt man ‚abspeisen‘ im Wortsinn! Die Folgen dieser - wie der Kirchenpräsident schrieb – „Nervennahrung“ zur Beruhigung der Gemüter: einige Mitarbeitende im Haus der Kirche haben das Motto der bevorstehenden Fastenaktion „Riskier was Mensch - Sieben Wochen ohne Vorsicht“ vorgezogen und auf Teufel komm raus Lebkuchen gemampft. Jetzt sind sie pausenlos am Joggen, um den angefutterten Lebkuchen-Kummerspeck wieder los zu werden.

Zwischen der Wahl zur Stellvertreterin und ihrer Verabschiedung als Dekanin liegen nicht einmal drei Monate. Auf die Frage, warum das alles so schnell gehen müsse, hatte Ulrike Scherf nach ihrer Wahl gesagt, es sei noch gar nicht darüber gesprochen worden, ob sie tatsächlich bereits am 1. Februar in Darmstadt beginne. Von wegen! „Roma locuta – causa finita“ (Rom hat entschieden, die Sache ist erledigt), heißt es bei unseren katholischen Schwestern und Brüdern. Und bei der EKHN? „Die Synode hat entschieden, causa finita!“ Und so wird – wie der Pfarrer und Kabarettist Hans-Joachim Greifenstein bemerkte - die EKHN bereits ab dem 1. Februar "auf Vorderfrau" gebracht.

Ulrike Scherf wird am Sonntag, den 27. Januar 2013 verabschiedet. Der Gottesdienst in der Christuskirche, Heppenheim, Theodor-Storm-Str. 10 beginnt um 18.00 Uhr. Im Anschluss lädt das Evangelische Dekanat zu einem Empfang ein.

 

Text u. Foto: bet