17.12.12 "Musikalische Schubladen gesprengt" - Bilanz: Jahr der Kirchenmusik


Im zu Ende gehenden Jahr der Kirchenmusik hat es im Evangelischen Dekanat Bergstraße über 100 Konzerte gegeben – deutlich mehr als sonst üblich. Zugleich gab es nach Angaben der evangelischen Kirche eine bislang nicht gekannte musikalische Vielfalt.

„Bei vielen Veranstaltungen haben sich Stilgrenzen vermischt“, betonte Propsteikantor Konja Voll. Als Beispiele nannte er das „History-of-Gospel-Konzert“ mit der Verbindung von Gospel und Bigband sowie Jazz oder das Mal- und Konzertprojekt (Foto unten) zu Lieblingsliedern in Zwingenberg.

Solche Projekte tragen nach Überzeugung des Kantors dazu bei, dass im Bereich der Kirchenmusik überholtes musikalisches Schubladendenken künftig keine Rolle mehr spielen werde. „Ob das Jahr der Kirchenmusik einen neuen Schub gebracht hat? Diese Frage kann man vermutlich erst in einem Jahr beantworten. Ich glaube aber schon“, meinte Konja Voll.

„Kirche macht Musik  -Musik macht Kirche“ lautete das Motto der Sommerbegegnungen im Haus der Kirche. „Die einzelnen Veranstaltungen haben gezeigt, wie unterschiedlich und abwechslungsreich Musik in der evangelischen Kirche ist“, betonte Dekanin Ulrike Scherf. Sie lobte auch die engagierte  Zusammenarbeit der Kirchenmusiker bei vielen Projekten wie dem Chor der Chorleiter (Foto oben) oder der Konzertreihre mit der neuen, mobilen Truhenorgel (Foto links).

Die Anschaffung dieser Orgel gehörte für den stellvertretenden Dekan, Hermann Birschel, zu den Höhepunkten des Jahres der Kirchenmusik. „Ihr Klang und die neuen Möglichkeiten, die sie erschließt, sind ein bleibendes Geschenk“, sagte Pfarrer Birschel, der auch Mitglied im Dekanatsausschuss für Kirchenmusik ist.  Die Orgel, die vom Bensheimer Orgelbauer Andreas Ott gefertigt wurde, können alle 34 Kirchengemeinden im Dekanat nutzen. Dieses Instrument, das Truhenorgel genannt wird, kann mit einem herkömmlichen Kombi transportiert werden und ist überall im Dekanat etwa bei Konzerten oder als Ersatzinstrument bei Orgelreparaturen einsetzbar.

Das Jahr der Kirchenmusik bescherte dem Dekanat auch die viel beachtete Uraufführung des Chorwerks "Omnis Terra". Für Kantor Konja Voll war es das herausragende Konzertereignis des Jahres, bei dem allein neun hauptamtliche Kirchenmusiker beteiligt waren. „Geistliche Musik braucht immer auch aktuelle Impulse und darf sich nicht nur auf das Vorhandene beschränken. Hier wurden musikalische Schubladen gesprengt. Ein amerikanischer Jazzmusiker, der geprägt ist von schwedischer Vokaltradition, vertont einen lateinischen Text für einen deutschen Chor - das ist doch mal was!“

Zu Beginn des Jahres der Kirchenmusik hatte das Evangelische Dekanat auf wissenschaftliche Studien verwiesen, wonach Singen die Stimmung hebe, vor Stress schütze und das körperliche und seelische Wohlbefinden steigere. Zum Ende des Jahres verweist das Dekanat auf Martin Luther. Dem Reformator zufolge schützt Musik auch vor dem Bösen:  „Denn die Musica ist eine Gabe Gottes, nicht ein Menschengeschenk. So vertreibet sie auch den Teufel und machet die Leut fröhlich.“

Bis zum 500jährigen Reformationsjubiläum 2017 hat die evangelische Kirche in Deutschland so genannte Themenjahre ausgerufen. Nach dem Jahr der Kirchenmusik 2012 folgt 2013 das Themenjahr „Reformation und Toleranz“.


Text u. Fotos: bet