17.11.12 "Umsteuern jetzt!" - Dekanatssynode für mehr (Steuer-)Gerechtigkeit

Die Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat sich angesichts der weiter auseinander gehenden Schere zwischen Arm und Reich für einen neuen sozialen Ausgleich ausgesprochen. In einer Resolution mit dem Titel "Umsteuern jetzt!", die bei der Tagung in Zwingenberg ohne Gegenstimme, bei einer Enthaltung verabschiedet wurde, mahnt das regionale Kirchenparlament Änderungen „auch und gerade in der Steuerpolitik“ an.

„Zu den Vorzügen des Reichtums gehört es, dass man damit viel gegen Armut machen kann“, hatte Präses Axel Rothermel die Resolution begründet. Sie nimmt Bezug auf die ökumenische „Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung“. Darin hatten sich das Evangelische und die Katholischen Dekanate Bergstraße dafür ausgesprochen, dass „jeder Mensch in Würde leben und unabhängig vom Einkommen in vollem Umfang am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilhaben kann“. Dies koste Geld und sei nicht zum Nulltarif zu haben, heißt es in der Resolution. Im Schlusssatz wird das Grundgesetz zitiert: „Eigentum verpflichtet.“

Zuvor hatte die Leiterin des Diakonischen Werks Bergstraße, Brigitte Walz-Kelbel, den Synodalen über die Tafelarbeit berichtet. Sie betonte, dass die Tafel die Armut ins öffentliche Bewusstsein gerückt habe. Sie diene aber ausschließlich der Armutslinderung und nicht der nachhaltigen Armutsbekämpfung. „Die Tafeln sind Seismographen der sozialen Lage. Sie machen deutlich, dass die staatlichen Grundsicherungsleistungen nicht mehr ausreichen“, sagte die Leiterin des Diakonischen Werks.

Sie würdigte insbesondere die so genannte Tafelrunde, die aus Mitgliedern des Dekanats und der Kirchengemeinden im Weschnitztal und Überwald bestehe und Unterstützung für die Rimbacher Tafel organisiere. Die Tafelrunde ist laut Walz-Kelbel in dieser Art eine einzigartige Einrichtung. Aus Mitteln des regionalen Finanzausgleichs hatte das Evangelische Dekanat im vergangenen und in diesem Jahr die Tafel in Rimbach zusätzlich mit insgesamt 10.000 Euro unterstützt. Zudem hatte das Dekanat mit der Aktion „Aus eins mach zwei“ Spenden, die einzelne Kirchengemeinden für die Tafel gesammelt hatten, verdoppelt. Symbolisch übergab Präses Rothermel der Leiterin des Diakonischen Werks einen Teil der Spenden in einem Sparschwein. Dazu überreichte er ihr einen Hammer, mit dem sie, so der Präses wörtlich, „angesichts der Sozialpolitik auch mal richtig auf den Tisch hauen kann“. 

Ohne Gegenstimme wurde der Haushaltsplan für 2013 verabschiedet. Er sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils 1.925.225 Euro vor.

Bei der geplanten Neuordnung der Dekanatsgebiete in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sieht Präses Rothermel aktuell keinen Handlungsbedarf.  Seine Begründung: Die Anzahl der Dekanate solle zwar von derzeit 47 auf 25  oder 26 reduziert werden. Doch das Dekanat Bergstraße habe die Fusion bereits hinter sich und sei bei der Reform zunächst nicht gefordert.

Folgenreicher könnte dagegen eine Entscheidung werden, die am kommenden Donnerstag auf der Tagung der EKHN-Synode in Frankfurt fällt. Unter den drei Kandidatinnen, die für das Amt des stellvertretenden Kirchenpräsidenten nominiert worden sind, befindet sich auch Dekanin Ulrike Scherf. Sollte sie gewählt werden, so der allgemeine Tenor auf der Dekanatssynode in Zwingenberg, gewinnt die EKHN eine hervorragende Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten und die Bergstraße verliert eine hervorragende Dekanin.


Foto: Zum Sparschwein den Hammer - von links n. rechts: Axel Rothermel, Brigitte Walz-Kelbel, Ulrike Scherf
Text u. Foto: bet