05.11.12 Jugend und Kirche - "Für mich hatte Kirche nie etwas mit Langeweile zu tun"


Natalie Hechler ist 20 Jahre jung, Mitglied der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat, Teamerin in der Kirchengemeinde Schwanheim und sie bringt das Kunststück fertig, ihr kirchliches Engagement mit ihrem Studium in Hamburg zu verbinden. Für die Siebenbürger Zeitung  - ihre Mutter stammt von dort – hat Natalie einen Artikel geschrieben, warum für sie persönlich Kirche und Jugend kein Gegensatz sind.

„Für mich hatte Kirche nie etwas mit Langeweile zu tun. Es macht mir Spaß, Verantwortung zu übernehmen, Kleingruppen zu leiten und gemeinsam mit Pfarrer und Ehrenamtlichen das Programm zu kreieren.“, schreibt Natalie, die bereits als 12jährige Mitarbeiterin im Kindergottesdienst wurde. Nach ihrer Konfirmation wurde sie Konfi-Teamerin und nahm dann an Mitarbeiterschulung der evangelischen Jugend im Dekanat teil. „Wenn das jetzt nach Stress klingt, dann kann ich das definitiv verneinen. Natürlich war es manchmal stressig, aber es war positiver Stress, denn für mich war immer der Spaß das Wichtigste an der Arbeit und den habe ich auch nie verloren, “ betont Natalie in ihrem Bericht für die Siebenbürger Zeitung.

Mit der Gemeinde in Schwanheim ist Natalie bis heute eng verbunden, doch ab ihrem 18 Geburtstag blickte sie weit über den Schwanheimer Kirchtrum hinaus. Sie kandidierte für die Evangelische Jugendvertretung im Dekanat und wurde gewählt. „Auf meiner Agenda standen deshalb auf einmal Sitzungen, Präsentationen auf Mitarbeiterschulungen und der Synode des Dekanats und noch so einiges mehr. Ich lernte eine komplett neue Seite der Jugendarbeit in der Kirche kennen, die auf einer höheren Ebene als der der Gemeinde stattfand. Jugendpolitik war plötzlich ein Thema und ich lernte so viele Leute kennen, die in der Kirche Entscheidungen treffen und deren unsere Meinung wichtig ist.“

Natalie räumt ein, dass in der Jugendarbeit nicht alles toll laufe und es manchmal frustrierend sei, wenn nichts zu Stande komme. Doch ihre Arbeit trägt auch Früchte. „Wir erhielten das Stimmrecht in der Synode auf unseren Antrag hin, wir organisierten Freizeiten (unter anderem Kroatien, Schweden, eine Jugendbegegnung mit Portugal), waren auf Mitarbeiterschulungen und Konfifreizeiten dabei, organisierten Jugendgottesdienste und überarbeiteten unsere Satzung. So war von aktiver Jugendarbeit über Jugendpolitik bis hin zu Diskussionen alles dabei. Unter anderem engagierten wir uns für den Atomausstieg.“

Hat Natalie bei diesem Engagement überhaupt noch Zeit für andere Dinge? Ihre Antwort ist eindeutig: „Ich studiere bisher sehr erfolgreich, reite mehrmals die Woche, gehe auf viele Rock-Konzerte in ganz Deutschland und habe sehr viele Freunde, die mit der Kirche gar nichts anfangen können. Das ist auch okay!“

Als „Missionarin“ die andere überzeugen wolle, dass Kirche „das einzig Wahre“ sei, versteht sich Natalie ausdrücklich nicht. Aber eines ist für sie gewiss: „Ich fühle mich in der Kirche zuhause und weiß, dass es dort Menschen gibt, die immer für mich da sein werden, und ich weiß, dass nicht jeder solche Menschen in seinem Leben hat, deshalb bin ich unglaublich dankbar dafür und auch dankbar für die Möglichkeiten, die mir durch die ehrenamtliche Arbeit in der Kirche schon gegeben wurden.“

Den Wortlaut von Natalies Artikel für die Siebenbürger Zeitung finden Sie hier

Foto: Natalie (fünfte von links) mit der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat Bergstraße