26.10.12 Reformation und Toleranz - "Das reformatorische Erbe kritisch hinterfragen"


Evangelische Christinnen und Christen feiern am kommenden Mittwoch (31. Okt.) den Reformationstag. Die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf hat dazu aufgerufen, sich mit dem kommenden Themenjahr “Reformation und Toleranz“ auseinanderzusetzen.  Dies sei fast 500 Jahre nach der Reformation hochaktuell.

Für Martin Luther sei es von zentraler Bedeutung gewesen, dass jeder einzelne die Bibel lesen und damit zu einer eigenen Glaubensüberzeugung kommen könne. „Wenn ich die evangelische Freiheit habe, mir eine eigene Meinung in Glaubensfragen zu bilden, dann muss ich diese Freiheit auch anderen zugestehen. Das ist die Grundlage für Toleranz, “ sagte Dekanin Scherf. Nach ihrer Auffassung gehört es zum Erbe der Reformation, sich immer wieder neu zu fragen, was Toleranz unter den Konfessionen und unter den Religionen im Alltag bedeutet.

Das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichte Magazin zum neuen Themenjahr heißt „Schatten der Reformation. Der lange Weg zur Toleranz“. Dieser Titel mache deutlich, dass der Beginn des reformatorischen Aufbruchs im 16. Jahrhundert nicht von Toleranz geprägt gewesen sei. Luther habe sich gegenüber Andersdenkenden vielmehr oft genug intolerant verhalten. „Sich mit der Reformation auseinanderzusetzen, heißt immer auch, sich kritisch mit den eigenen Schattenseiten zu befassen und sich zu vergegenwärtigen, dass sich die Kirche immer wieder erneuern und reformieren muss“, erklärte Ulrike Scherf. Den Reformationstag feiern bedeutet nach Ansicht der Dekanin nicht, Luther zu glorifizieren. Doch sein bleibendes Verdienst sei es, gegen alle Widerstände auf die Freiheit des Gewissens jedes Einzelnen gepocht zu haben und dabei standhaft geblieben zu sein. 

Die Beschäftigung mit grundsätzlichen Fragen der Toleranz ist nach Auffassung von Dekanin Scherf  nicht nur ein guter Anlass, das reformatorische Erbe zu hinterfragen, sondern auch neue Impulse für ein friedliches Zusammenleben der Religionen zu geben. Bis zum 500jährigen Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hat die EKD so genannte Themenjahre ausgerufen. 2013 steht unter dem Motto „Reformation und Toleranz“.

Den Reformationstag, der jedes Jahr am 31. Oktober stattfindet, werden viele Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Bergstraße mit Gottesdiensten feiern. Sie erinnern damit an die 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach im Jahr 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Damit leitete er die Reformation ein.


Text u. Foto: bet