12.09.12 Altersarmut und Mindestlöhne - Symposium am 11. Oktober


Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau hat sich in die aktuelle Diskussion um Mindestlöhne und Altersarmut eingeschaltet. Das wird auch bei dem Symposium „Mehr Mut und Phantasie für Gerechtigkeit. Zwei Jahre nach der Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung“ am 11. Oktober im Haus der Kirche thematisiert. Zu der Veranstaltung laden das Evangelische Dekanat und die Katholischen Dekanate Bergstraße gemeinsam ein.

„Es ist längst überfällig, dass der Zusammenhang von Niedriglohn heute und Niedrigrente morgen öffentlich wahrgenommen wird", kommentierte Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN), die vom statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen, wonach im Jahr 2010 jeder fünfte Arbeitnehmer (20,6 Prozent) Geringverdiener gewesen ist. Der Anteil lag vier Jahre zuvor noch bei 18,7 Prozent. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, hatte diese Information mit der aktuellen rentenpolitischen Diskussion verknüpft, indem er auf niedrige Renten hinwies, mit denen viele Menschen künftig zu rechnen hätten.

Insofern sei es unverständlich, dass die Zunahme prekärer Beschäftigung in dem im Mai erschienenen ersten Hessischen Sozialbericht offenbar positiv im Sinne einer erfolgreichen Senkung der Arbeitslosenquote gedeutet werde und dass das Problem der Altersarmut heruntergespielt werde, kritisierte Gern. Eine insgesamt reiche Gesellschaft wie Deutschland müsse politisch für armutsfeste Mindestlöhne und für eine armutsfeste Mindestrente für alle Menschen sorgen.

Dr. Alexander Dietz, Referent für Ethik, Sozialpolitik und Gemeinwesenarbeit im DWHN, wies darauf hin, dass auch in Hessen nahezu jeder Fünfte im Niedriglohnbereich arbeitet und somit von Altersarmut bedroht ist. Nach dem Landessozialbericht arbeiten in Hessen 19 Prozent aller Beschäftigten und 16 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich. 20 Prozent arbeiten nur in Teilzeitbeschäftigung, bei den Frauen sind es sogar 36 Prozent. Außerdem haben 3 Prozent nur Minijobs und 2 Prozent arbeiten als Leiharbeiter. Laut Dietz habe die Zahl der vom Armutsrisiko betroffenen älteren Menschen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dringend notwendig ist dagegen laut Dietz „eine armutsfeste Alterssicherung mit dem Ziel, eine gesetzliche Mindestrente einzuführen.“

Bei dem Symposium „Mehr Mut und Phantasie für Gerechtigkeit“ werden verschiedene Facetten von Armut in der Region Bergstraße beleuchtet. Zugleich wird Bilanz gezogen, was sich seit Verabschiedung der Heppenheimer Erklärung im Oktober 2010 bei der Armutsentwicklung und Armutsbekämpfung getan hat. Das Symposium am 11. Oktober beginnt um 19.00 Uhr im Haus der Kirche, Ludwigstraße 13. Heppenheim. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Text: bet
Foto: pixelio