03.09.12 "Wir brauchen den freien Sonntag" - Der frühe Bergsträßer Landrat Hofmann fordert mehr Sonntagsschutz


Der frühere Landrat des Kreises Bergstraße, Norbert Hofmann, hält den freien Sonntag für unverzichtbar. Die Kirchen sollten sich mit noch mehr Nachdruck für den Sonntagsschutz einsetzen.  Zugleich forderte er die Politik auf, die Sonntagsfrage ernster zu nehmen.

Norbert Hoffmann räumt ein, dass er selbst bei der Sonntagsarbeit keine weiße Weste habe. In den sechs Jahren als Erster Stadtrat und den darauffolgenden zehn Jahren als Bürgermeister von Viernheim sowie anschließend den sechs Jahren als Landrat habe er selbst immer wieder sonntags gearbeitet. „Wenn die Feuerwehr an einem Sonntag ihr 100jähriges Jubiläum feiert, dann können sie es sich als Bürgermeister nicht leisten, dieser Veranstaltung fernzubleiben“, betont der 70jährige und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich habe Sonntags in offizieller Funktion auch schon bei der Verabschiedung eines evangelischen Pfarrers teilgenommen.“ Für Politiker sei es mit ihrer sonntäglichen öffentlichen Präsenz eine Gratwanderung. Er selbst habe erst lernen müssen, auch mal Nein zu sagen. Als Landrat habe er Termine am Sonntag nur noch wahrgenommen, wenn es gar nicht anders ging.

Die Globalisierung hat nach Ansicht des Ex-Landrats der Sonntagsarbeit Vorschub geleistet.  „Wir erleben eine Ökonomisierung unseres Lebens in allen Bereichen.“ Der wirtschaftliche Druck sei so groß geworden, dass das Primat der Politik eingeschränkt sei. Doch nach der Devise „allen wohl, niemand weh“ könne man nicht gegensteuern.  Es brauche Mut, sich gegen mächtige Wirtschaftsinteressen zu stemmen. „Mit einem parteiübergreifenden Grundkonsens in der Sonntagsfrage wären wir schon einen Schritt weiter.“  Die Politik brauche dafür auch Rückendeckung. Er wünsche sich deshalb ein offensiveres Vorgehen der Kirchen in der Sonntagsfrage. Ihre „kräftige Stimme“ könne maßgeblich dazu beitragen, dass ausgetretene Pfade wieder verlassen und die Bedeutung des freien Sonntags wieder grundsätzlich diskutiert werden.

Er selbst habe an freien Sonntagen früher immer etwas mit der Familie und seinen beiden Kindern  unternommen, gemeinsam seien sie zum Beispiel mit dem Fahrrad ins Grüne gefahren, später habe er die freie Zeit genossen, um zu entspannen und zu lesen. Der freie Sonntag ist für Norbert Hofmann aber nicht nur ein Tag der Ruhe und ein Tag für die Familie. Er ist auch vorbeugender Gesundheitsschutz.  „Wir sehen doch, wie viele Menschen heute ausgebrannt sind und es werden immer mehr. Gegen die zunehmende psychische Erschöpfung  brauchen wir den Sonntag als  bewusste Unterbrechung des Alltags, als Pause, um wieder auftanken zu können.“

 

Foto: "Sonntag ist ein Geschenk des Himmels", meint auch der frühere Landrat Norbert Hofmann
Text u. Fotos: bet