27.08.12 Wenn die Ausnahme zur Regel wird - Inflation an verkaufsoffenen Sonntagen


Verkaufsoffene Sonntage sind nach Ansicht des Evangelischen Dekanats Bergstraße in der Region Starkenburg keine Ausnahme mehr, sondern zur Regel geworden. Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Darmstadt hätten an den fünf Sonntagen im September in 21 Kommunen sonntags die Geschäfte geöffnet, kritisierte die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf.

Nach dem Hessischen Ladenöffnungsgesetz sind für die Sonntagsöffnung konkrete Anlässe erforderlich. „Anlässe sind nicht mehr auf eine Messe, ein Stadtjubiläum oder ein für die jeweilige Kommune bedeutsames Ereignis beschränkt. Es wird mittlerweile alles zum Anlass genommen, um die Geschäfte öffnen zu können. Und wenn es gar keinen Anlass gibt, wird einfach einer frei erfunden“, sagte Dekanin Scherf und nannte als ein Beispiel Viernheim. Dort wurde für einen verkaufsoffenen Sonntag ein Energiesparfest ausgerufen. Stromverbrauchende Lichter wie Leuchtreklame sollen dem Vernehmen nach dabei nicht ausgegangen sein.

Nach der Monatsvorschau der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, deren Kammerbezirk sich auch über den Kreis Bergstraße erstreckt,  markiert  der Sonntag am 9. September einen aus Sicht des Dekanats Negativrekord mit insgesamt neun Kommunen in der Region, in denen die Geschäfte geöffnet haben. Im Kreis Bergstraße sind es Bensheim und Lampertheim. „An diesem Tag werden besonders viele Menschen arbeiten müssen und keinen freien Sonntag haben. Dabei wird deutlich: Über Sonntagsarbeit entscheiden auch wir mit unserem Konsumverhalten“, erklärte die Bergsträßer Dekanin. Sie verwies auf eine im Juli veröffentlichte Repräsentativumfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap, nach der sich 73 Prozent der Befragten gegen Sonntagskommerz ausgesprochen hatten. „Die Kommunen und der Einzelhandel können sich bei sonntäglicher Ladenöffnung damit nicht auf die Bedürfnisse der Mehrheit der Bevölkerung berufen“.

Die Dekanin erinnerte daran, dass der Sonntagsschutz In der Bundesrepublik Deutschland Verfassungsrang habe. „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt“, heißt es im Grundgesetz. Wenn bei Sonntagsarbeit und sonntäglichen Ladenöffnungen aber die Ausnahme zur Regel werde, sei es höchste Zeit, dass auch die Politikerinnen und Politiker den Sonntagsschutz verteidigen und sich schützend vor die Verfassung stellen, betonte Ulrike Scherf.

 

Graphik: eine Postkarte der Allianz für den freien Sonntag Bayern
Text: bet