27.06.12 "Verantwortung für die Wirklichkeit" - Verbandstag der Evangelischen Regionalverwaltung


Verwaltung ist ganz selbstverständlicher und unverzichtbarer Bestandteil kirchlicher Arbeit. Das wurde auf dem Verbandstag des Evangelischen Regionalverwaltungsverbandes Starkenburg-West (RVV) in deutlich, der auch für das Dekanat Bergstraße zuständig ist.

Vor den rund 200 geladenen Gästen lobte Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in seiner Festansprache die Serviceorientierung des RVV. Er hob vor allem das neue Leitbild des Verbands als „vorbildlich“ hervor. Verwalten und Leiten seien nicht voneinander abgekoppelt, sagte er. „Das Leitbild zeigt, dass Sie sich der Spannung stellen, aus der christlichen Hoffnung des Glaubens die Kirche zu gestalten und zugleich Verantwortung für die Wirklichkeit zu übernehmen“, so Jung weiter.

Zuvor hatte Harald-Udo Kouba, Leiter des RVV, in seiner Begrüßung die Gesamthaltung der Mitarbeiterschaft deutlich gemacht: So sei der Verwaltungssitz des RVV „ein Haus der Kirche“ und die Gäste nicht fremd, sondern „Schwestern und Brüder auf Besuch.“
Werner Katz, Vorstandsvorsitzender des RVV, machte in seinem Bericht den Umfang der Serviceleistungen deutlich: So ist die Regionalverwaltung für 83 Kirchengemeinden in vier Dekanaten zuständig (Bergstraße, Groß-Gerau, Ried und Rüsselsheim), betreut sechs Diakoniestationen, 25 kirchliche Einrichtungen und Verbände sowie 60 Kindertagesstätten mit 4.165 Plätzen. 112 Entwürfe von Haushaltsplänen, Lohnabrechnungen für mehr als 2.000 haupt- und ehrenamtliche Honorarkräfte oder die Verwaltung von 349 Gebäuden sind nur ein Teil der Arbeit bei einem Gesamtumsatz von rund 193 Millionen Euro. Das Budget des RVV beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro. Gestemmt werde die Arbeit von 36 Mitarbeitenden, berichtete Katz. Im Besonderen hob Katz die „unkomplizierte Arbeit“ der Druckerei des RVV hervor: Hier wurden 2011 rund 5,2 Millionen Drucke erstellt, darunter die Gemeindebriefe für 87 Kirchengemeinden - darunter einige außerhalb des Zuständigkeitsgebiets.

Die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf lobte die Arbeit der Regionalverwaltung. „Unser Dekanat ist stets kompetent beraten und unterstützt worden.“ Sie war nach eigenen Angaben beeindruckt vom Verbandstag. Die Regionalverwaltung habe ein lebendiges und abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.  So gab es unter anderem auch eine Präsentation von Kindertagesstätten in evangelischer Trägerschaft, über die die Festgäste abstimmen konnten. Den mit 300 Euro dotierten ersten Preis erhielt die Kindertagesstätte in Leeheim, der zweite (200 Euro) ging nach Groß-Rohrheim (beide Dekanat Ried) Über hundert Euro konnte sich die drittplazierte Kita in Reichenbach im Dekanat Bergstraße freuen.

In seiner Festrede nahm Kirchenpräsident Jung auch Stellung zur neuen Pfarrstellenbemessung. „In vielen Gemeinden geht die Angst um, die Kirchenleitung könnte den Gemeinden ihre Pfarrer wegnehmen“, berichtete er. Doch die Wirklichkeit sehe anders aus: Von den etwa 1700 Pfarrerinnen und Pfarrern auf 1560 Pfarrstellen werden bis 2025 rund 900 altersbedingt wegfallen. Die Landeskirche versuche dies mit der verstärkten Einstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern (40 bis 50 pro Jahr) bereits jetzt und in den kommenden Jahren auszugleichen, bekräftigte Jung.

Man habe in der Vergangenheit teils zu viele Pfarrer eingestellt und in den letzten Jahren zu wenige, resümierte er kritisch. Künftig wolle man einen „guten Mittelweg“ finden. Jung wies darauf hin, dass man vor dem Mitgliederschwund nicht die Augen verschließen dürfe. Zum Vergleich: In den sechziger Jahren hatte die EKHN 2,3 Millionen,  heute sind es 1,7 Millionen.

Jung äußerste sich auch zu der 2015 anstehenden Neustrukturierung der Dekanate. Eine offizielle Diskussionsgrundlage der Kirchenleitung sieht eine Zusammenlegung der momentan 47 Dekanate auf 25 vor. Der Kirchenpräsident versicherte, dass die einzelnen Dekanate gehört würden und unter Umständen Alternativ-Lösungen denkbar wären.

Im Anschluss an das offizielle Programm wurde die 41,28 Kw/p starke Photovoltaik-Anlage des RVV vorgestellt, die zum 5. Juni ihren Betrieb aufgenommen hat. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger gemeinsam mit seinem Musikerkollegen Adax Dörsam. Eine Ausstellung von Bildern und Plastiken des Pfarrers Christian Lechelt zu biblischen Themen rundete das Programm in den Räumen des RVV künstlerisch ab.


Text u.Foto: Christian Lechelt