23.06.12 Starke Frauen in Hammelbach - 100 Jahre Evangelische Frauenhilfe


„Ich geh‘ in die Stund`.“ So sagten die Frauen aus der Kirchengemeinde Hammelbach früher, wenn sie zum Treffen der Evangelischen Frauenhilfe gingen. Die „Stund“ hielt selbstverständlich der Herr Pfarrer und die Frauenhilfe hieß noch Schwesternverein. Heute ist das anders. Morgen, am Sonntag, den 24. Juni, feiert die Frauenhilfe mit einem Festgottesdienst, an dem auch Dekanin Ulrike Scherf beteiligt sein wird, ihr 100jähriges Bestehen.

Die Gruppe trifft sich wechselweise in den zur Gemeinde gehörenden Ortsteilen Hammelbach und Gras-Ellenbach. Geleitet wird die Frauenhilfe von Helga Koltermann. Die 79jährige legt Wert darauf, dass es sich nicht um ein Kaffekränzchen handelt. „Wir arbeiten an Themen. Das Jahresthema der Frauenhilfe wird ebenso behandelt wie die jeweiligen Ereignisse im Kirchenjahr. Und immer wieder geht es um starke Frauen in der Bibel.“

Dass es solche Frauen in der Bibel überhaupt gibt, war für Katharina Bock ein Aha-Erlebnis. Im Nationalsozialismus hatte die heute 85jährige nur das Neue Testament gekannt. Das Alte Testament war verpönt und wurde nicht gelesen. „Ich habe erst in der Frauenhilfe davon gehört, dass die Bibel über Frauen wie Ester, Deborah, Rahel oder Rebekka berichtet.“ Neben der thematischen Arbeit schätzen die heute in der Frauenhilfe Aktiven vor allem den sozialen Zusammenhalt.  „Der Mittwoch ist bei uns fest eingeplant. Mittwochnachmittag trifft sich die Frauenhilfe. Da habe ich für nichts anderes Zeit“, betont die 80jährige Ilse Oberle. Wenn eine Frau mal nicht zum Treffen komme, werde gleich nachgefragt, ob was passiert sei.

Helga Bitsch ist seit über 60 Jahren in der Frauenhilfe aktiv. Sie schätzt besonders  die regelmäßigen gemeinsamen Ausflüge. Die 87jährige erinnert sich noch wie es früher in der Gemeinde für Frauen war. „Die Männer hatten noch ihren Sportverein. Außer der Frauenhilfe gab es für uns gar nichts.“

Vor hundert Jahren hatten sich die Frauen der Kirchengemeinde Hammelbach zu einer Hilfsgemeinschaft zusammengetan. In dem gegründeten Schwesternverein zahlten die Frauen jeweils 10 Pfennig ein. Damit wurde eine Gemeindeschwester bezahlt. Denn viele Männer waren durch die Arbeit in den Odenwälder Steinbrüchen lungenkrank geworden. Sie starben früh. Die Frauen waren oft mit vielen Kindern auf sich allein gestellt. Der Odenwald war damals ein bitterarmer Landstrich. „Wer nach Gras-Ellenbach geht, muss sich ein Stück Brot mitnehmen“, hieß es.1935 benannte sich der Schwesternverein in Evangelische Frauenhilfe um. Sie wurde dann aber bald von der NS-Frauenschaft vereinnahmt. Erst 1945 gab es wieder Zusammenkünfte der Evangelischen Frauenhilfe.

Heute sind 22 Frauen in der Frauenhilfe aktiv. Die „Stund` hält nicht mehr der Pfarrer. Selbst ist die Frau, heißt es längst in Hammelbach. Und es sind starke Frauen. Sie gestalten nicht nur jährlich den Weltgebetstag der Frauen, sondern  jedes Jahr im Advent auch einen eigenen Frauengottesdienst. Er ist stets gut besucht und es kommen sogar Frauen, die man sonst nicht in der Kirche sieht. Der Jubiläumsgottesdienst der Frauenhilfe am Sonntag, den 24. Juni beginnt um 10.00 Uhr in der evangelischen Kirche Hammelbach.

 

 

 

Foto oben von rechts n .links: llse Oberle, Katharina Bock, Helga Bitsch und Helga Koltermann beim Sichten alter Fotos der Frauenhilfe.
Foto Mitte: Die Ev. Frauenhilfe Hammelbach 1930
Foto unten: Die Ev. Frauenhilfe Hammelbach 1950