18.05.12 Pfarrstellenbemessung und Sonntagsschutz - Die Tagung der Kirchensynode aus Bergsträßer Sicht


Von „vorsichtig optimistisch“  bis zu  „der Entwurf der Kirchenleitung ist nicht haltbar“ reichen die Reaktionen der Bergsträßer Synodalen auf die Diskussion über die Pläne zur neuen Pfarrstellenbemessung.

An dem Modell der Kirchenleitung ist bei der Frühjahrstagung der Kirchensynode der EKHN in Frankfurt Kritik laut geworden. Es hätte wegen geänderter Bemessungskriterien einen Rückgang der Pfarrstellen zur Folge. Davon wäre auch das Dekanat Bergstraße betroffen.  Die Kirchenleitung wollte zudem den Stellenplan an die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer anpassen, die tatsächlich für das Pfarramt zur Verfügung stehen. Nach den Prognosen und bedingt durch eine Pensionierungswelle wird in wenigen Jahren ein Mangel an  Pfarrerinnen und Pfarrern erwartet.

„Viele Dekanatsanträge haben sich gegen diese Pläne ausgesprochen. Durch diese konzertierte Aktion bin ich vorsichtig optimistisch“,  sagte der Synodale und Pfarrer der Bensheimer Stephanus-Gemeinde Christian Ferber (2.Foto von oben). Bei der Frühjahrstagung war das Meinungsbild eindeutig. Danach soll es Pfarrstellenkürzungen nur im Einklang mit den zurückgehenden Mitgliederzahlen geben. Pro Jahr wäre dies voraussichtlich nicht mehr als ein Prozent. Für darüber hinaus gehende Kürzung sieht die Mörlenbacher Synodale, Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam (3. Foto von oben), keine Mehrheit. Sie geht davon  aus, dass das Modell der Kirchenleitung nicht haltbar ist.



Lupold von Lehsten (Foto unten), Synodaler aus Schönberg-Wilmshausen, rechnet damit, dass es ab September neue Vorlagen der Kirchenleitung geben werde, und betont: „Noch ist alles offen. Die Entscheidung über die Zukunft der Pfarrstellen fällt vielleicht auf der Herbsttagung der Synode.“ Er kritisiert, dass sich die Kirchenleitung und damit auch die Synode erneut mit viel zu vielen Themen auf einmal befasse wie Gemeindeordnung, Lebensordnung, Fusionen mit Werken der EKKW,  Pfarrdienstgesetz usw. Wenn die Pfarrstellenbemessung nicht im Herbst neu geregelt werde, müsse auch die Frist der vorläufigen Stellenbesetzung verlängert werden.

Die Bergsträßer Synodalen sind der Überzeugung, dass angesichts des zu erwartenden  Mangels an Pfarrerinnen und Pfarrern, alles dafür getan werden müsse,  den Pfarrberuf wieder attraktiver zu machen. Dazu wäre ein jährlich von der Kirchenleitung vorgelegter Rechenschaftsbericht ein wichtiger Beitrag. Theologiestudierende sollten noch intensiver begleitet werden. Denn nach dem Examen würden sich heute deutlich mehr für den Religionsunterricht und nur eine Minderheit für das Pfarramt entscheiden.

Große Einigkeit demonstrierte die Synode beim Sonntagsschutz.  „Im Interesse der Menschen müssen Sonn- und Feiertage grundsätzlich arbeitsfrei bleiben!“ heißt es in einer einmütig verabschiedeten Resolution, in der die Synode die hessische Landesregierung auffordert, die so genannte Bedarfsgewerbeordnung zurückzunehmen. Damit ist weitere Sonntagsarbeit legalisiert worden unter anderem zur Herstellung von Bier und Speiseeis. Angesichts heutiger Lagerungs- und Transportmöglichkeiten sei dies nicht nachvollziehbar, kritisierte die Synode. Damit folgte das „Kirchenparlament“ den Anträgen verschiedener Dekanate - darunter dem Dekanat Bergstraße.

 

 

 

Foto oben: die Bergsträßer Vertreter/innen in der Kirchensynode der EKHN von links n. rechts: Edith Unrath-Dörsam, Lupold von Lehsten, Anna Maurer, Erich Nauth, Alexander Gemeinhardt, Christian Ferber
Text u. Fotos: bet