12.05.12 "Es tut gut, einen solchen Ort zu haben" - Gedenkgottesdienst für totgeborene Kinder


Aus verschiedenen Orten waren heute Eltern, Großeltern, Geschwister und andere Angehörige zum ökumenischen Gottesdienst auf dem Heppenheimer Friedhof gekommen. Gemeinsam gedachten sie der Kinder, „denen das Licht dieser Welt verborgen blieb“.

Auf Initiative der Klinikseelsorge und der Gynäkologie am Kreiskrankenhaus Bergstraße wurde vor drei Jahren auf dem Heppenheimer Friedhof ein Grabfeld für totgeborene Kinder eingerichtet. Jedes Jahr im Mai wird mit einem Gottesdienst an diese Kinder erinnert. „Dies berührt uns immer wieder sehr tief“, sagte Pfarrerin Steffi Beckmann von der evangelischen Klinikseelsorge zur Begrüßung. „Du lebtest nur im Schutz warmer Dunkelheit. Uns entrissen bist Du dem Licht vielleicht näher als wir ahnen.“ Auf diese Inschrift auf dem Gedenkstein am Grabfeld nahm Pastoralreferent Dr. Bernhard Deister von der katholischen Klinikseelsorge in seiner Ansprache Bezug: „Jesus sagt: ‚Ich bin das Licht‘. Ein Licht, das uns auch in der Finsternis begleitet. Kein Kind, das uns entrissen ist, ist verloren“.

Unter den Gottesdienstbesuchern war auch eine Familie aus Bensheim, die mit ihren zwei kleinen Kindern erschienen war. Ein drittes Kind war eine Totgeburt. „Mir ist wichtig, hier her zu kommen. Es tut gut, einen solchen Ort zu haben“, meinte die Mutter. Sie weiß, dass andernorts mit Totgeborenen anders verfahren wird. Nach den gesetzlichen Bestimmungen besteht für totgeborene Frühchen bis zu einem Gewicht von 500 Gramm keine Bestattungspflicht. Sie können demnach wie klinischer Abfall entsorgt werden.

Allein im Kreiskrankenhaus gibt es pro Jahr zwischen drei bis fünf Fehl- oder Totgeburten.  Weil sie die Belastung und seelische Not der Mütter kennt, hatte sich auch die Chefärztin der Gynäkologie, Dr. Ursula Hurst, für das Grabfeld engagiert. Durch die Entwicklung in den vergangenen drei Jahren sieht sie sich bestätigt. „Dieses Grabfeld ist ein Segen für die betroffenen Eltern. Ich weiß, dass Frauen hier her kommen, die vor Jahrzehnten eine Fehlgeburt hatten und lange nicht wussten, wohin mit ihrer Trauer. Dieser Ort ist für sie von großer Bedeutung.“

 

Text u. Foto: bet