20.04.12 Vom Ökumene-Pfarrer zum Gemeindepfarrer - Renatus Keller nimmt Abschied vom Haus der Kirche


Nach über acht Jahren als Pfarrer für Ökumene und Mission im Evangelischen Dekanat Bergstraße verabschiedet sich Renatus Keller am kommenden Dienstag (24.April) vom Haus der Kirche in Heppenheim. Er bleibt aber ganz in der Nähe. Der 47jährige wird ab Mai Gemeindepfarrer in Lorsch.

Immer wenn auf der Ladefläche seines Autos ein etwa 1,50 Meter großes farbiges Holzkreuz zu sehen war, war seinen  Kolleginnen und Kollegen im Haus der Kirche klar:  Renatus Keller ist mal wieder zu einem Taizé-Gottesdienst unterwegs. Er hat in den vergangenen Jahren die Taizé-Liturgie im Dekanat Bergstraße bekannt gemacht. Als Dekanatsjugendpfarrer hatte er mit Jugendlichen zudem immer wieder  die Kommunität in Taizé besucht. Ökumenische Taizé-Gottesdienste werden inzwischen regelmäßig in vielen Bergsträßer Gemeinden gefeiert.

In Birkenau zum Beispiel. Dort arbeitete Gemeindepfarrer Dieter Wendorff seit Jahren eng mit Renatus Keller bei der Gestaltung besonderer Gottesdienste zusammen. Neben den Taizé-Gottesdiensten sind es die Thomas-Messen, die insbesondere Menschen ansprechen, die Zweifel und mehr Fragen als Antworten haben. „Über all die Jahre hat Renatus Keller mit seinem Engagement  für wunderbare Stabilität gesorgt und auch bei der Raumgestaltung für diese Gottesdienste wichtige Impulse gesetzt“, betont Dieter Wendorff.  Als Pfarrer, der „von außen“ in seine Gemeinde kam, habe er Renatus Keller nie wahrgenommen. Er habe immer zum Team gehört.

Teamarbeit leistete er auch bei der Vorbereitung des Dekanatskinderkirchentags, Glaubenskursen oder Workshops mit den Perlen des Glaubens. „Wir haben viele Ideen gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Renatus Keller hat einen klaren Blick dafür, was die Menschen und die Kirche brauchen“, betont die Referentin für Kindergottesdienst im Evangelischen Dekanat, Beate Schuhmacher-Ries. Zwischen beiden waren es stets sehr kurze „Dienstwege“. Das Büro des Kindergottesdienst-Referentin und des scheidenden Ökumene-Pfarrers liegen im Haus der Kirche direkt vis-á-vis.

Pfarrer Keller habe einen großen Anteil daran, dass das Haus der Kirche von Gästen als einladend und nicht als bloße Verwaltungsstelle wahrgenommen werde, meint Dekanin Ulrike Scherf. „Er hat dafür viele geistliche Impulse gesetzt. Die räumliche Mitte des Hauses der Kirche als Andachtsraum zu gestalten war ihm ebenso wichtig wie das tägliche Mittagsgebet oder die Eintrittsstelle.“ Spiritualität, so Dekanin Scherf, habe Pfarrer Keller stets ökumenisch verstanden.

Das bestätigt Stephan Volk vom Katholischen Dekanat Bergstraße-Mitte, der seit Jahren  eng mit Renatus Keller kooperiert – etwa bei dem ökumenischen Abendgebiet „Iona-meets-Lorsch“, das jeden Mittwoch in der Lorscher Königshalle stattfindet.  „Er ist ein ökumenisch sehr engagierter und hilfsbereiter Kollege, der große Visionen hat und diese beharrlich, geduldig und mit großer Sorgfalt umsetzt. Außerdem ist er ein guter Fußballer, der sich beim interreligiösen Kick mit den Bergsträßer Imamen als Teamplayer erwiesen hat." 

Als Pfarrer für Ökumene und Mission ging sein Blick weit über den Bergsträßer Tellerrand hinaus. Renatus Keller koordinierte unter anderem die Partnerschaft des Evangelischen Dekanats Bergstraße mit der Moravian Church in Süd-Tansania. „Es war klug von ihm, selbst mit einer Delegation nach Tansania zu reisen, um die Kontakte zu intensivieren. In vielen Veranstaltungen konnte er anschließend authentisch über die Situation in Tansania berichten und dabei auch immer wieder auf das Projekt des Evangelischen Dekanats zur Unterstützung der Aids-Waisen aufmerksam machen“, sagt Christel Fuchs vom Dekanatssynodalvorstand, die mit Renatus Keller im Ausschuss „Ökumene-Partnerschaften“ zusammenarbeitet.

Am Dienstag, den 24. April, wird Renatus Keller um 18.00 Uhr im Heppenheimer Haus der Kirche als Pfarrer für Ökumene und Mission verabschiedet. Am 6. Mai wird Dekanin Ulrike Scherf ihn als Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Lorsch in sein neues Amt einführen. Der Einführungsgottesdienst beginnt um 15.00 Uhr.


Foto: Annette Siegel
Text: bet