03.04.12 "Für Menschen, die nicht alles glauben" - Zwischenbilanz der Glaubenskurse


Worum geht es eigentlich beim Christ-Sein? Was ist mir wichtig? Worauf baue ich? Woran glaube ich? Diese und andere Fragen werden derzeit bei Glaubenskursen für Erwachsene behandelt, an denen sich 20 Gemeinden im Evangelischen Dekanat Bergstraße beteiligen. Einige Kurse stehen kurz vor dem Abschluss, andere werden demnächst beginnen.

„Wir wollen den Menschen auf Augenhöhe begegnen und bieten verschiedene Kurse an, die auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Allen gemeinsam ist, dass es Kurse für Menschen sind, die nicht alles glauben und speziell an den lebensbezogenen Inhalten des christlichen Glaubens interessiert sind“, betont Pfarrer Renatus Keller, der die Kursreihe koordiniert. Er selbst hat in Lorsch an der Themenreihe  „Glauben hat Gründe“ als Referent teilgenommen, die mit der katholischen Kirche angeboten und gerade beendet wurde. An insgesamt fünf Abenden hatten sich jeweils rund 30 Menschen, darunter auch Teilnehmer, die keiner Kirche angehören, intensiv über Fragen und Gründe des Glaubens ausgetauscht.

 An dem Kurs „Kaum zu glauben!“ in Rimbach und Zotzenbach beteiligen sich Angehörige der katholischen und der evangelischen Gemeinden sowie der landeskirchlichen Gemeinschaft. Eine Teilnehmerin ist Ruth Würsching: „Für mich ist der Kurs geistliche Nahrung. Ich habe durch den Austausch mit den anderen viele Anregungen und viel Stoff zum Nachdenken bekommen“. Der Kurs zeichnet sich durch viele kreative Elemente aus wie etwa die gemeinsame Gestaltung eines Bodenbildes (Fotos). „Gerade weil die Kursteilnehmer aus unterschiedlichen Zusammenhängen kommen, können sich dabei besonders gut kennenlernen“, meint Pfarrer Hermann Birschel. Doch ein wenig schade findet Ruth Würsching, dass an ihrem Kurs ausschließlich Menschen teilnehmen, die sich ohnehin mit Glaubensfragen befassen. Dabei sind die Glaubenskurse ausdrücklich auch für Menschen gedacht, die grundsätzliche Zweifel haben und nicht zu den Kirchgängern gehören

„Kaum zu glauben!“ heißt es auch in Gadernheim, wobei dieser Kurs eine Ausnahme ist. Er richtet sich im Gegensatz zu den anderen Angeboten an Menschen, die gläubig sind und in der Kirchengemeinde sogar eine leitende Funktion übernommen haben, aber vor lauter Organisations- und Finanzfragen selten dazu kommen, sich über ihren Glauben auszutauschen. Es ist ein Kurs für die Mitglieder des Kirchenvorstands der evangelischen Gemeinde Gadernheim. „Mich haben die Kursabende bewegt, über meinen Glauben stärker nachzudenken. Insbesondere die Arbeit in kleinen Gruppen hat mir gut getan. Die Gespräche gingen sehr in die Tiefe und man hat schon einiges über sich preisgegeben“, meint Kirchenvorsteherin Ilse Pfeifer. Auch Pfarrer Erwin Köber äußerte sich zufrieden: „Es gibt Teilnehmer, die sich intensiv einbringen, andere, die eher still sind. Das muss man akzeptieren“.

Auch in Affolterbach, Bensheim, Birkenau, Einhausen, Fürth, Hammelbach, Heppenheim, Lindenfels, Mörlenbach, Reichenbach, Reisen, Schlierbach, Schwanheim, Viernheim und Wald-Michelbach wurden bzw. werden Glaubenskurse angeboten. Die erste Kursstaffel wird im Laufe des Frühjahrs beendet sein. Ende August beginnt eine zweite Staffel. Das Evangelische Dekanat Bergstraße ist dabei nicht allein. Denn die Evangelische Kirche in Deutschland will unterschiedliche Glaubenskurse für Erwachsene zu einem regelmäßigen Angebot von Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen ausbauen. Dazu wurde das Projekt „Erwachsen glauben“ gestartet und die „Kurse zum Glauben“ entwickelt.

Die Termine der einzelnen Glaubenskurse im Evangelischen Dekanat Bergstraße finden Sie hier



Fotos: Hermann Birschel
Text: bet